Schulze, Paul


Biografische Daten:

Name:Schulze, Paul Georg
Geboren:30. Januar 1896 in Klotzsche (bei Dresden)
Berufe:Eisenbahnbeamter (seit 1. April 1924 Eisenbahnsekretär), Gewerkschaftssekretär, Redakteur
Wohnorte:Berlin-Köpenick, Hoppendorfer Str. 30 (12.5.1936)
Berlin-Tegel, Straße 104 Nr. 120 (30.11.1936)
Berlin-Heiligensee, Straße 326, Nr. 6 (1938 und 1939)
zuletzt: Berlin-Heiligensee, Silberhammerweg 6
Bahnbeginn:1913
Gewerkschaft:DEV / EdED
Funktionen:bei der Sächsischen Staatseisenbahnverwaltung durch die Kollegen in „Ämter der damals sich stark entwickelnden Gewerkschaftsbewegung gewählt und delegiert worden bis er in die Hauptamtlichkeit wechselte“
1. Mai 1920 bis 31. Januar 1925 Bezirkssekretär und Vorstandsmitglied des DEV, Landesstelle Sachsen, anschließend Verbandssekretär beim Hauptvorstand des DEV / EdED in Berlin, Redakteur des Verbandsorgans „Der Eisenbahner“
später (auch) Schriftleiter der Beamtenzeitschrift des EdED
1928 Teilnehmer der 2. und 1931 Teilnehmer der 3. ordentlichen Generalversammlung des EdED
Partei:vermutlich) SPD; gab während der NS-Zeit in einem Schreiben an die Reichsfeststellungsbehörde an „früher habe ich mich parteipolitisch nicht betätigt“, wobei es sich jedoch um eine Schutzbehauptung gehandelt haben könnte
Funktion:keine bekannt
Widerstand:aktives Mitglied der Widerstandsgruppe Apitzsch-Breunig; die Gestapo hielt ihn mehrfach unter Beobachtung, notierte beispielsweise „1934 stand er im Verdacht, eine illegale Organisation zu schaffen und stand s. Zt. mit in Paris lebenden Emigranten in Verbindung.“; bei einem Treffen mit seinen ehemaligen Kollegen kassierte er von den Beteiligten eine Reichsmark ein, wobei es sich vermutlich um Unterstützungsbeiträge für illegale Gewerkschafts- und/oder Parteiarbeit handelte; Paul Schulze gehörte zu den ehemaligen Funktionären, die seinerzeit gegen die DAF prozessierten; nach eigenen Angaben in einem Schreiben vom 19. Januar 1939 an die Reichsfeststellungsbehörde war sein Fall seines Wissens nach damals der erste, der erfolgreich ausging; erhielt letztendlich am 12. März 1943 eine Abfindung in Höhe von 6000 RM zugesprochen
Verfolgung:am 7. August 1933 durch die Nazis fristlos entlassen
nach einer illegalen Maifeier mit Kollegen in Paulsborn (Berliner Süden, Nähe U „Krumme Lanke“) 1938 erstmals festgenommen, nach kurzem ergebnislosem Verhör wieder entlassen
zweite Festnahme bei Kriegsausbruch nach der sogenannten „A-Kartei“ und als „Schutzhäftling“ Nummer 1762 Deportierung ins KZ Sachsenhausen; am 30. September 1939 „Überführungs-Anweisung“ der „Politischen Abteilung“ und am 2. Oktober 1939 Entlassung (aus Block 37); wohin man Schulze „überführte“, ist nicht bekannt
Gestorben:Gemäß der Beischreibung auf seiner Geburtsurkunde starb Paul Schulze am 15. Mai 1943 in Berlin-Weißensee. Den Angaben Hans Joachim Buß und Alfred Gottwaldt zufolge wurde er durch einen SA-Trupp in seiner Wohnung ermordet.
Weitere Infos:Vater Johann August Schulze, Kutscher; Mutter Amalie Auguste Schulze, geb. Jannasch; Paul Schulze war verheiratet und hatte zwei Kinder, darunter Sohn Heinz Schulze, geb. 26.8.1928; nahm am Ersten Weltkrieg teil, 1915 einberufen, Sächsische Divisions-Funkerabteilung 46 (Feldeinsatz an der Westfront), Beförderung zum Unteroffizier, 1917 durch Granatsplitter am linken Oberschenkel verwundet, Kriegslazarett Fourmies, anschließend Einsatz bei Westoffensive und im Rückzugsgefecht, Eisernes Kreuz II, schwarzes Verwundetenabzeichen, Frontkämpferehrenkreuz und Sächsische Friedrich August Medaille in Silber; nach doppelseitiger Lungen-Tuberkulose und infolge eines Magenleidens seit 27. November 1934 berufsunfähig, bekam ab 1. Oktober 1935 Berufsunfähigkeitsrente

Gedenken:

Paul Schulze wurde auf der Gedenktafel verewigt, die die GdED am 9. Mai 1983 für während der NS-Zeit ermordete Eisenbahngewerkschafter in ihrer damaligen Zentrale in Frankfurt (Main) einweihte.

Quellen:

  • Dissertation Podzuweit