Koltermann, Albert


Biografische Daten:

Name:Koltermann, Albert
Geboren:06.03.1890 in Nörenberg, Kreis Stargard (heute: Ińsko, Polen)
Berufe:Werkhelfer, Schachtmeister
Wohnorte:Stargard, Bahnhofstr. 12 (1933)
auf Gestapo-Liste: Stargard, Königstr. 45
Bahnbeginn:1918
Gewerkschaft:DEV / EdED, RGO
Funktionen:nach Angaben seiner Frau bereits 1918/19 Mitglied Arbeiter- und Soldatenrat, aktive Beteiligung bei der Abwehr des Kapp-Putsches
später Mitglied, kurzzeitig sogar Vorsitzender des örtlichen Betriebsrates
1930 und 1931 RGO-Kandidat bei den Hauptbetriebsratswahlen (HBR) der Deutschen Reichsbahn (1930 Listenplatz Nr. 12, 1931 Nr. 13)
Teilnehmer der Reichskonferenz der RGO IG Eisenbahn am 25./26.10.1930 in Leipzig
Partei:1919 USPD, nach deren Spaltung KPD
Funktionen:Vorsitzender der KPD in Stargard
Mitglied der Bezirksleitung Stettin, Auftritt in „gegnerischen Versammlungen“ als Referent
Mitglied der Stadtverordnetenversammlung für die KPD und daselbst Fraktionsleiter
12. März 1933 Aufstellung als Kandidat für den Reichstag an 3. Stelle der Landesliste
Leiter des proletarischen Selbstschutzes in Stargard
Mitglied im RFB, der Roten Hilfe und der Freidenker
Widerstand:hielt ab 1932 Freidenkerreden bei Begräbnissen
Betriebsarbeit, Flüsterpropaganda, Herausstellen faschistischer Übergriffe, demonstratives Zur-Schau-Tragen älterer Blechplaketten, Kontakte zu ehemaligen Genossen, Zersetzung und Anti-Kriegspropaganda in seinem Betrieb und unter Kriegsgefangenen, vermutlich in frühe Überlegungen zum illegalen Wiederaufbau der Partei eingebunden
Verfolgung:Festnahme 7. März 1933, spätestens ab Mai 1933 „Schutzhaft“ in den KZ Gollnow, Esterwegen und Sonnenburg bis Entlassung am 1. September 1934; in der Folge auch bei Reichsbahn entlassen
zweite Festnahme am 4. September 1943 auf der Arbeitsstelle wegen politischer Zersetzung, nach Bürgschaft des Sohnes, weil er „von dem Bauführer Feder […] an die Gestapo Stettin, Grüne Schanze mit der Begründung gemeldet wurde, dass er sich mit den ausländischen Arbeitern politisch und über die Kriegslage unterhalten hätte […].“ Wenig später von Pölitz über Stettin ins KZ Neuengamme verschleppt, dort als Häftling 25622 in den Block 27 gesperrt
Gestorben:Albert Koltermann starb noch im April 1945 kurz vor der Befreiung vom Nationalsozialismus im KZ Neuengamme. Ein damaliger Mitinsasse gab als Todesursache Typhus an. Koltermann wurde am 9. November 1946 von Neuengamme nach Hamburg umgebettet.
Weitere Infos: Arbeitsorte waren das RAW Stargard (1918-1933) sowie Hagemann & Co. Stettin, Pölitzer Str. (1934/35-1943); Vater: Ferdinand Koltermann, Landwirt und Schachtmeister; mindestens zwei Brüder: Robert und Ernst Koltermann; seit 1911 verheiratet mit Minna Koltermann, geb. Kaehl, geb. 12.12.1892 in Nörenberg in Pommern; das Paar hatte zwei Kinder: Sohn Max Koltermann, geb. 7.8.1911 in Nörenberg in Pommern, zweiter Sohn unbekannt; Albert Koltermann hatte die Volksschule besucht und von 1914-1918 als Soldat bei der Marine am Ersten Weltkrieg teilgenommen, letzter Dienstgrad Obermaat; nach Angabe der Frau am Aufstand der Marine beteiligt; auch die beiden Söhne und die Ehefrau unterlagen Verfolgungen wegen Verbreitung illegaler Zeitungen; Ermittlungen der Hamburger Arbeitsgemeinschaft Neuengamme der VVN ergaben, dass er noch 1943 wegen seines schwachen Zustandes – wohl vor allem Herzprobleme – ins Krankenrevier gesteckt wurde. „Nachdem er wieder gesund war, arbeitete er im Industriehof, d.h. im Bauhof des KL Neuengamme, und zwar hatte er ein Kommando von ca. 12 Häftlingen, die einen Rollwagen zogen. Er hatte lediglich die Aufsicht darüber und an und für sich war es eine leichte Beschäftigung.“ (LASA, MW VdN Nr. 4328, Akte Minna Koltermann, Bl. 53);Winter 1944 und Frühjahr 1945 erneute Herzkomplikationen

Quellen:

  • Eberhard Podzuweit, Widerstand von kommunistischen Eisenbahngewerkschaftern in Mittel- und Ostdeutschland (unveröffentlichtes Skript, weitere Quellen dort)
  • Mailauskunft aus dem Archiv Neuengamme (19.4.2017 von Johannes Barth)
  • Landesarchiv Berlin, C Rep. 118-01, Nr. 16210, VdN-Akte Koltermann, Max (auch Bilderquelle)