Koch, Curt


Biografische Daten:

Name:Koch, Curt (auch: Kurt) Alfred
Geboren:27. Juli 1890 in Niederhermsdorf (Sachsen)
Berufe:Streckenarbeiter, Hilfsweichenwärter, Weichenwärter, Oberstellwerksmeister im Range eines Reichsbahnsekretärs
nach 1933: selbständiger Seifenhändler
Wohnorte:Niederhermsdorf, Potschappel, zuletzt: Freital, Carolastr. 3 (heute: Franz-Schubert-Str. 3)
Bahnbeginn:1908
Gewerkschaft:DEV / EdED
Funktionen:ab 1910 gewerkschaftlich organisiert
seit 1919 Betriebs-/Beamtenrat vermutlich im Raum Freital (Sachsen)
Vorsitzender des Bezirksbeamtenrates Dresden und Mitglied im Hauptbeamtenrat der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft
verschiedene Funktionen im DEV bzw. ab 1925 im EdED, u. a. bereits 1922 Delegierter des Bezirkes Sachsen zur Generalversammlung des DEV, auch 1925 und 1928 Delegierter der ordentlichen Generalversammlungen
Partei:ab 1910 SPD; ab 1917 USPD; 1922–1928 KPD; ab 1928 SPD
Funktionen:1918 bis 1921 Mitglied der Gemeindevertretung Potschappel (Sachsen)
1922 bis 1928 Stadtverordneter in Freital (Sachsen)
Aufsichtsrat der AG Kraftwerke und der Freitaler Kreditbank
Widerstand:Laut „Organisationsplan“ von Hans Jahn vom 1. März 1936 fungierte ein gewisser „Koch“ als „Ersatzmann“ für den Gaugrafen Max Kellner in der EdED-Widerstandsgruppe im „9. Gau Sachsen. Vorort Leipzig“. Dafür, dass es sich dabei um Kurt Koch handelte, spricht u. a. die Angabe seiner Ehefrau, dass er sich auch als Vertreter für Seifen über Wasser hielt – Hans Jahn betrieb 1934/35 ebenfalls einen Seifenhandel
Verfolgung:nach der Machtübernahme der Nazis aus dem Reichsbahndienst entlassen; gemäß seines ehemaligen Kollegen Max Urban „seit 1933 […] dauernder Verfolgungen und anderen Schikanen ausgesetzt […] Kam[erad] Koch blieb trotzdem der alte Kämpfer, wie er vordem gewesen war“; am 22. August 1944 im Zuge der „Aktion Gewitter“ durch Gestapo festgenommen; angeblich nach Hinweis, dass Koch in Freital an einer Aktion infolge des Attentats auf Hitler beteiligt war; kurzzeitig Gefängnis von Döhlen, dann KZ Sachsenhausen, dort als „Schutzhäftling“ unter der Nummer 102154 in den Häftlingsblock 59 gesperrt
Gestorben:Kurt Koch starb am 29. September 1944 im KZ Sachsenhausen. Als Todesursache ist Grippe vermerkt. Vermutlich erlag er jedoch den widrigen Haftumständen oder an den Folgen einer Misshandlung.
Weitere Infos:Eltern Friedrich August Koch und Ernestine Emilie Koch, geb. Richter; seit 16. Juni 1918 verheiratet mit Martha Ida Koch, geborene Hetz (geb. 29. Dezember 1893, gest. 16. Februar 1987); zwei Kinder: Gertrud (geb. 9. Oktober 1912) und Hildegard Martha (geb. 11. März 1921); Besuch der Volksschule; Teilnahme am Ersten Weltkrieg

Gedenken:

Zu Zeiten der DDR wurden ein Kurheim der Deutschen Reichsbahn und ein Volksheilbad des FDGB in Bad Elster nach Kurt Koch benannt. Aus einem Schreiben des Sozialamtes Freital vom 3. August 1949 geht außerdem hervor, dass „auf dem Dresdner Hauptbahnhof eine Gedenktafel an den Tod des aufrichtigen Kämpfers erinnert[e] […].“ Darüber hinaus trug die heutige Lucas-Cranach-Straße in Freital-Potschappel mindestens 1947 den Namen Kurt Kochs.

In der BRD wurde Kurt Koch auf der Ehrentafel verewigt, die die GdED am 9. Mai 1983 für während der NS-Zeit ermordete Eisenbahngewerkschafter in ihrer damaligen Zentrale in Frankfurt (Main) einweihte.


Quellen:

  • Siegfried Mielke/Stefan Heinz, Eisenbahngewerkschafter im NS-Staat. Verfolgung – Widerstand – Emigration (1933-1945)
  • Alfred Gottwaldt, Eisenbahner gegen Hitler. Widerstand und Verfolgung bei der Reichsbahn 1933 – 1945
  • Eberhard Podzuweit, Widerstand von Eisenbahngewerkschaftern in Mittel- und Ostdeutschland
  • Siebenherz, Eva, Umbenannte Straßen in Sachsen. Adorf bis Lampertswalde
  • Bildquelle: Arolsen Archives, Signatur: 23120001 214, Amt für die Erfassung der Kriegsopfer (Berlin), DocID: 130611028