Sauf, Gustav


Biografische Daten:

Name:Sauf (auch Sauff), Gustav
Geboren:18. März 1888 in Groß-Lindenau (heute: Oserki, Oblast Kaliningrad, Russland)
Berufe:verbeamteter Rangierführer / Rangiermeister; Gewerkschaftssekretär
Wohnort:zuletzt: Königsberg, An den Birken 19 (Königsberg-Ponarth)
Bahnbeginn:nicht bekannt
Gewerkschaft:DEV / EdED, RGO, Einheitsverband der Eisenbahner Ostpreußens
Funktionen:seit Februar 1921 Sekretär des DEV/EdED, zunächst Bezirkssekretär in Königsberg und stellv. Bezirksleiter
im September 1925 als 1. Bevollmächtigter zur OV Königsberg versetzt, dort zum 1. Dezember 1926 entlassen
ab 1928 Sekretär der RGO (Eisenbahnerverband), Mitglied des Vorstandes im Verband der Eisenbahner (RGO) Ostpreußens, ggf. Funktion als Vorsitzender dieses roten RGO-Eisenbahnerverbandes
Partei:KPD
Funktionen:Mitglied der Königsberger Stadtverordnetenversammlung für die KPD
Mitglied des ostpreußischen Provinziallandtages von Ostpreußen (3. WP 1925/29, Kreis Königsberg-Stadt)
Mitglied im Provinzial-Ausschuss
Mitglied des Staatsrats Preußen (2. Wahlperiode 26. Januar 1928/30), Nachfolger von Friedrich Seemann, zuvor bereits stellv. Staatsratsmitglied
Widerstand:als engagierter und geachteter KPD-Funktionär gehörte Gustav Sauf bereits Ende der 1920er Jahre zu den vehementesten Bekämpfern des aufstrebenden Nationalsozialismus
Verfolgung:siehe Gestorben
Gestorben:Gustav Sauf wurde am 1. August 1932 in Königsberg von einem Nazitrupp ermordet.

Gedenken:

Gustav Sauf wurde auf der Gedenktafel verewigt, die die GdED am 9. Mai 1983 für die ährend der NS-Zeit ermordeten Eisenbahngewerkschafter in ihrer damaligen Zentrale in Frankfurt (Main) einweihte.

Biografie:

Gustav Sauf (auch Sauff), geb. 18. März 1888 in Groß-Lindenau (heute Oserki, Oblast Kaliningrad), arbeitete vermutlich bereits vor dem Ersten Weltkrieg bei der Reichsbahn in Königsberg, wo er zuletzt als verbeamteter Rangiermeister beschäftigt wurde. Im Februar 1921 wechselte er hauptamtlich zum DEV, der ihn in Königsberg als Bezirkssekretär und stellvertretenden Bezirksleiter für Ostpreußen anstellte. Zu diesem Zeitpunkt engagierte er sich ebenfalls bereits in der KPD, für die er u. a. von 1925 bis 1929 zum ostpreußischen Provinziallandtag sowie von 1928 bis 1930 zum Staatsrat Preußens gehörte.

Im Zuge der Verschmelzung von Reichsgewerkschaft und DEV wurde Sauf ab 1. September 1925 zum Ersten Bevollmächtigten der Königsberger Ortsgruppe des neuen EdED degradiert. Der sich zuspitzende Konflikt zwischen kommunistischen und sozialdemokratischen Funktionären beim EdED führte letztendlich am 1. Dezember 1926 zu seiner Entlassung. Gustav Sauf fungierte ab da als Führungskraft der bezirklichen RGO IG Eisenbahn, gehörte ab dessen Gründung dem Vorstand des „Einheitsverbandes der Eisenbahner Ostpreußens“ an, bei dem er höchstwahrscheinlich außerdem als Sekretär angestellt war.

Der erste planmäßige und umfangreiche Schlag, den die Nazis gegen die Königsberger Arbeiterbewegung führten, erfolgte bereits in der Nacht vom 31. Juli auf den 1. August 1932. Ausschlaggebend für diese erste Gewaltwelle war der Umstand, dass es ihnen bei den bis dahin erfolgten Wahlen nicht gelungen war, eine für die alleinige Regierung ausreichende Stimmenanzahl auf sich zu vereinen. Vielmehr gelang es ihren politischen Gegnern, allen voran der KPD, ihren nach wie vor vergleichsweise hohen Zuspruch aufrecht zu erhalten, zum Teil sogar auszubauen. Schon am Vorabend der Reichstagswahl wurde die SA – ursprünglich vermutlich ausschließlich zur Absicherung derselben – aus den umliegenden Ortschaften zusammengezogen. Der Großteil der bewaffneten Truppen, die schließlich am frühen Montagmorgen, also direkt nach der Wahl, mehrere bekannte Politiker in ihren Wohnungen überfielen, setzte sich aus diesen zusammen.

Zu den Opfern dieser Gewaltexzesse gehörte auch Gustav Sauf. Zeitungsberichten zufolge verschafften sich mehrere Nazis zu seiner Wohnung Zutritt, wo sie ihn im Bett vorfanden und „durch zwei Kopfschüsse und einen Brustschuß sowie durch einen Stich in den Oberarm schwer verletzt[en]“ („Der Funke“, Nr. 179 vom 1.8.1932, S. 5). Zwar überlebte Sauf diesen Anschlag, erlag aber wenig später in der chirurgischen Klinik seinen schweren Verletzungen.

Fritz Fischer, der seinen Angaben nach lediglich aufgrund eines Wohnungswechsels von den Überfällen verschont geblieben war, berichtete später, dass die politische Führung Königsbergs in der Folge äußerst darum bemüht war, zu verhindern, dass die Mordtat durch die Opposition für ihre politischen Zwecke genutzt und hochstilisiert wurde. So soll unter anderem Sauf’s Leiche versteckt und an seinem Bestattungstag durch den Polizeipräsidenten ein generelles Versammlungs- sowie Demonstrationsverbot verhängt worden sein.

Keine der Maßnahmen konnte jedoch verhindern, dass „etwa 20 000 Menschen […] Sauff [sic!] in mustergültiger Disziplin das letzte Geleit“ (Danziger Volksstimme, 23. Jahrgang, Nr. 182, 5. August 1932, S. 1, „Die Beerdigung des ermordeten Reichstagsabgeordneten“) gaben, sich „zahlreiche Betriebe im politischen Massenstreik“ befanden und „Eisenbahner-, Reichsbanner, SPD- und kommunistische Arbeiter in einer Front“ (Schlesische Arbeiterzeitung, 14. Jahrgang, Nr. 182, 5. August 1932, S. 2, „Riesige Kundgebung am Grabe des Genossen Sauff“) an der Einäscherung des weitbekannten Funktionärs teilnahmen.

Quellen:

  • Eberhard Podzuweit, Widerstand von kommunistischen Eisenbahngewerkschaftern in Mittel- und Ostdeutschland (unveröffentlichtes Skript, weitere Quellen dort)
  • LHASA, MD, K 6-2, Nr. 3868, VdN-Akte Fritz Fischer, Bl. 9, handschriftlicher Lebenslauf, undatiert [15.10.1951]