Stolperstein für Friedrich Jendrosch am Tag seiner Verlegung, 8.10.2022

Jendrosch, Friedrich


Biografische Daten:

Stolperstein für Friedrich Jendrosch am Tag seiner Verlegung, 8.10.2022
Stolperstein für Friedrich Jendrosch am Tag seiner Verlegung, 8.10.2022
Name:Jendrosch, Friedrich „Fritz“
Geboren:22. Mai 1890 in Lomnitz (Kreis Rosenberg) (heute: Łomnica (Olesno), Polen)
Berufe:abgebrochene Bäckerlehre
Schlosser und Eisendreher, Güterbodenarbeiter
Markthändler
Wohnorte:Kattowitz (1920)
Hindenburg (bis 1932)
Berlin (ab 1.4.1932)
Berlin-Reinickendorf, Pankower Allee 64 (1933 Zwangsräumung für Nazis)
Berlin NW, Christianienstr. 110 (heute Osloer Straße)
Bahnbeginn:1908
Gewerkschaft:DEV / EdED, dort ausgeschlossen, ab ca. 1930 RGO IG Eisenbahn
Funktionen:Delegierter auf der außerordentlichen Generalversammlung des DEV vom 12. bis 18.9.1920 in Dresden, außerdem für den DEV delegierter Teilnehmer am Reichskongress der Betriebsräte 1920
1930/31 für die RGO Mitglied des Hauptbetriebsrats der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft
Teilnehmer an der Reichskonferenz der RGO-Eisenbahner vom 21./22. Februar 1931
zeitweise Mitglied der Reichsleitung der RGO IG Eisenbahn
Partei:SPD; ab 1919 KPD
Funktionen:Mitglied der Stadtverordnetenversammlung in Hindenburg (Oberschlesien), zeitweise Vorsitzender derselben
Abgeordneter des Provinziallandtages Oberschlesien
4.5.-28.6.1924 Mitglied des Reichstags, Wahlkreis 9 Oppeln
ab 7. Dezember 1924 bis 1932 Mitglied des Landtags von Preußen
1925–1929 Politischer Leiter des KPD-Bezirks Oberschlesien; 1931 Referent für den Landtagswahlkampf der KPD in Hessen; ab 1932 beim Zentralkomitee der KPD angestellt
Widerstand:aufgrund seiner kommunistischen Aktivitäten bereits 1931 gemaßregelt und bei der Reichsbahn entlassen
nach dem Verbot der KPD weiterhin Kontakt mit der illegalen Parteileitung, ohne sich aktiv am Widerstand zu beteiligen
Verfolgung:Hausdurchsuchung am 16. Juni 1933
im Zuge der „Aktion Gewitter“ am 24. August 1944 verhaftet und in das KZ Sachsenhausen verschleppt; politischer „Schutzhäftling“ Nummer 93363, im Block 10
Gestorben:Ende 1944 teilte die Lagerverwaltung der Ehefrau mit, dass ihr Mann am 28. November 1944 an einer eitrigen Hirnhautentzündung verstorben sei. Viel wahrscheinlicher ist jedoch, dass er in Wahrheit den widrigen Haftumständen oder den Misshandlungen durch die SS im Lager zum Opfer fiel und ermordet wurde.
weitere Infos:Friedrich „Fritz“ Jendrosch war seit dem 24. Juli 1923 mit Hedwig Theresie Jendrosch, verwitwete Mondry, geborene Kroll verheiratet. Seine Frau brachte die beiden Kinder Gerhard und Gertrud Mondry mit in die Ehe; gemeinsam hatte das Paar Tochter Sonja Jendrosch.

Gedenken:

Seit 1992 befinden sich vor dem ehemaligen Reichstagsgebäude in Berlin 96 Gedenktafeln für vom Naziregime ermordete Reichstagsabgeordnete. Eine dieser Tafeln ist Friedrich Jendrosch gewidmet.

Am 08. Oktober 2022 wurde auf Initiative des Berliner Ortsverbandes der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) zum Gedenken an Friedrich Jendrosch ein Stolperstein in der Osloer Straße 110 in Berlin-Wedding verlegt.


Quellen:

  • Siegfried Mielke/Stefan Heinz, Eisenbahngewerkschafter im NS-Staat. Verfolgung – Widerstand – Emigration (1933-1945)
  • EVG Berlin (Hrsg.): Gedenksteinverlegung für Eisenbahngewerkschafter Friedrich Jendrosch, online