Jackisch, Wilhelm


Biografische Daten:

Name:Jackisch, Wilhelm
Geboren:27. Mai 1894 in Tillowitz (heute: Tułowice, Polen)
Beruf:Schlosser
Wohnort:zuletzt: Oppeln, Zimmerstr. 51
Bahnbeginn:1918
Gewerkschaft:DEV / EdED, RGO IG Eisenbahn, „Roter Eisenbahnerverband Oberschlesien“
Funktionen:(mindestens) 1931-1933 Mitglied des Betriebsrates im RAW Oppeln
ab 1932 Betriebszellenleiter der RGO
Partei:seit 1920 KPD
Funktionen:aktiv im „AM-Apparat“ der KPD, Mitglied der „Sprenggruppe Oppeln“
Mitglied der Arbeitersportbewegung, bei den Freidenkern und im Arbeitergesangverein
Widerstand:Angaben seiner Frau Martha zufolge zwischen seinen Inhaftierungen Beteiligung am illegalen Zeitschriftenvertrieb; außerdem Mitglied einer bereits vor 1933 aufgebauten, illegalen „Sprenggruppe“ des Militärischen Abwehrapparates der KPD
Verfolgung:erste Festnahme Anfang März 1933, sechs Wochen Schutzhaft und Verlust des Arbeitsplatzes bei der Reichsbahn
Zweite Festnahme am 10. Januar 1934, Haftbefehl wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ des Amtsgerichts Oppeln vom 21. Januar 1934, Untersuchungshaft im dortigen Gerichtsgefängnis, später im Untersuchungsgefängnis Breslau; am 13. Juni 1934 Verurteilung zu zehn Jahren Zuchthaus bei gleichlangem Ehrverlust, Überstellung ins Zuchthaus Groß-Strehlitz, am 12.8.1937 von dort nach Luckau und am 12.11.1942 nach Brandenburg-Görden, von dort zwischenzeitlich ins Zuchthaus Sonnenburg und im Januar 1944 entlassen, vermutlich direkt in polizeiliches Gewahrsam; am 11.3.1944 Zugang als „Schutzhäftling“ Nr. 57495 im KZ Mauthausen vermerkt
Gestorben:Wilhelm Jackisch verstarb am 25. August 1944 im Außenlager Gusen des österreichischen KZ Mauthausen.
weitere Infos:am 25. Februar 1927 Heirat mit dem Hausmädchen Marta Sperlich; keine Kinder; Ehefrau wurde als Hinterbliebene eines Opfers des Faschismus anerkannt und lebte bis zu ihrem Tode in Schönebeck, in der Freiligrathstr. 17

Gedenken:

Wilhelm Jackisch wurde im Gedenkbuch für die Toten des KZ Mauthausen und seiner Außenlager aufgenommen. Außerdem ist sein Name im dortigen Gedenkort, dem Raum der Namen, verewigt.

Biographie:

Wilhelm Jackisch, geboren am 27. Mai 1894 in Tillowitz (heute: Tułowice, Polen) als Sohn des Oberdrehers Wilhelm Jackisch, besuchte die Volksschule und absolvierte direkt im Anschluss eine Schlosserausbildung. Nach seiner Rückkehr aus dem Ersten Weltkrieg 1918 erhielt er im Oppelner Wagenwerk, dem späteren RAW Oppeln, eine Anstellung in seinem Beruf. Er engagierte sich in der KPD, der er direkt nach ihre Gründung 1920 beigetreten war und als Mitglied einer „freien Gewerkschaft“. Nachgewiesen ist, dass seine Arbeitskollegen Jackisch mindestens 1931 in den Betriebsrat wählten, dem er bis zu seiner Maßregelung 1933 angehörte. Als Mitglied im „Roten Eisenbahnerverband Oberschlesiens“ fungierte er auf seiner Arbeitsstelle spätestens ab 1932 außerdem als Betriebszellenleiter.

Wilhelm Jackisch fiel mit einigen seiner Kollegen bereits im März 1933 einer Verhaftungswelle zum Opfer und kam für sechs Wochen in „Schutzhaft“ . In der Folge wurde er bei der Deutschen Reichsbahn entlassen. Nach seiner Schutzhaftentlassung beteiligte er sich nach Angaben seiner Ehefrau am Widerstandskampf indem er sich in den illegalen „Zeitschriftenvertrieb“ einbrachte.

Am 10. Januar 1934 wurde er erneut auf der Basis eines Haftbefehls vom Amtsgerichts Oppeln polizeilich festgenommen und in das Gerichtsgefängnis Oppeln eingeliefert, von wo ihn die Nationalsozialisten später in das Untersuchungsgefängnis nach Breslau verlegten. Am 13. Juni 1934 verurteilten ihn die NS-Richter zu einer zehnjährigen Zuchthausstrafe wegen „Sprengstoffvergehens und Waffenbesitz“. Während seiner anschließenden Inhaftierung erlebte er eine Odyssee durch verschiedene Zuchthäuser und Konzentrationslager. So war er inhaftiert im KZ Sonnenburg, in den Zuchthäusern Luckau und Groß-Strehlitz, später im Zuchthaus Brandenburg-Görden, bis er schließlich in das KZ Mauthausen nach Österreich und von dort in dessen Außenlager Gusen verschleppt wurde.

Wilhelm Jackisch starb am 25. August 1944 im Zweiglager Gusen des KZ Mauthausen. Gemäß der amtlichen Todesmitteilung, die von dort an seine Ehefrau Martha gesandt wurde, hatte er sich krankgemeldet und war zur ärztlichen Behandlung in den Krankenbau gesteckt worden.

„Es wurde ihm die bestmöglichste und pflegerische Behandlung zuteil. Trotz aller angewandten ärztlichen Bemühungen gelang es nicht der Krankheit Herr zu werden. Ihr Ehegatte starb ohne letzte Wünsche geäußert zu haben“.

VdN-Akte Jackisch, Bl. 9

Die Ehefrau gab im Antragsbogen auf Anerkennung als Verfolgte des Naziregimes und Opfer des Faschismus Urämie (Urin im Blut) als Todesursache an. Jackischs einstiger Kollege und späterer Minister für Eisenbahnwesen in der DDR Roman Chwalek schrieb dagegen:

„Er ist in diesem Konzentrationslager infolge Unterernährung und der durchgemachten Strapazen und Drangsalierungen am 25. August 1944 verstorben“.

VdN-Akte Jackisch, Bl. 10

Quellen:

  • Eberhard Podzuweit, Widerstand von kommunistischen Eisenbahngewerkschaftern in Mittel- und Ostdeutschland (unveröffentlichtes Skript, weitere Quellen dort)
  • Landesarchiv Sachsen-Anhalt, MD, K 6-1, Nr. 4181, VdN-Betreuungsakte Martha Jackisch
  • Raum der Namen. Die Toten des KZ Mauthausen, Eintrag Wilhelm Jackisch
  • Bilderquelle: Arolsen Archives, Signatur 01012603 081.236 (Mauthausen), 10010193 (Luckau) und 10010570 (Brandenburg-Görden)