Duhme, Heinrich


Biografische Daten:

Name:Duhme, Heinrich
Geboren:16. November 1894 in Rheine
Beruf:Betriebsarbeiter
Wohnort:Rheine, Hauenhorster Strasse
Bahnbeginn:1918 / 1919
Gewerkschaft:DEV / EdED
Funktion:vertrat die Eisenbahner in Gremien des ADGB
Partei:parteilos, SPD-Sympathisant
Funktion:fungierte bis 1933 als Gauleiter des „Arbeiterradfahrerbund Solidarität“ (ARBS) Münsterland und Nordhorn
Widerstand:gewährte dem sowjetischen Agenten Franz Zielasko 1943 mehrfach Unterkunft und finanzielle Unterstützung.
Verfolgung:Festnahme am 23. August 1943, Inhaftierung im Polizeigefängnis Gelsenkirchen; einen Tag später von dort zu Vernehmungszwecken nach Gladbeck gebracht; Januar 1944 Anklage wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ und Überstellung ins Zuchthaus Amberg; am 19. Juli 1944 durch den „Volksgerichtshof“ in Nürnberg wegen „Vorbereitung zum Hochverrat und Feindbegünstigung“ zum Tode verurteilt
Gestorben:Das Urteil wurde am 25. Oktober 1944 im Strafgefängnis Seilersbahn/Bruchsal mit dem Fallbeil vollstreckt und Heinrich Duhme ermordet.
weitere Infos:verheiratet mit Theresia Dornekott

Gedenken:

1950 errichtete die Stadt Rheine am Alten Rathaus eine Gedenktafel in Erinnerung an die Rheiner Opfer des Naziregimes, auf der auch Heinrich Duhme verewigt wurde.

Außerdem ist auch sein Name auf der Ehrentafel verewigt, die die GdED am 9. Mai 1983 im Gedenken an während der NS-Zeit ermordete Eisenbahngewerkschafter in ihrer Zentrale in Frankfurt (Main) anbrachte.

Seit 2007 existiert in Rheine eine Heinrich-Duhme-Straße, die sich unweit der ehemaligen Wohnung des Widerstandskämpfers in der Hauenhorster Straße befindet.

Im Jahr 2014 erinnerten die SPD Rheine und der DGB-Ortsverband in einer Feierstunde an die beiden Gewerkschafter Heinrich Duhme und Gerhard Luther.

Biographie:

Heinrich Duhme wurde am 16. November 1894 als Sohn eines Textilarbeiters in der westfälischen Stadt Rheine geboren. Nach dem Besuch der Volksschule trat er in die Fußstapfen seines Vaters und arbeitete in der örtlichen Textilindustrie. Später arbeitete er außerdem bei einem Tiefbauunternehmen. Von 1915 bis 1918 musste er als Soldat am Ersten Weltkrieg teilnehmen. Er wurde mehrmals schwer verwundet – Wunden, die ihn zeitlebens behinderten – und bekam das Verwundetenabzeichen sowie das Frontkämpferehrenkreuz verliehen. Unmittelbar nach der Rückkehr in seine Heimat begann er als Betriebsarbeiter bei der Preußischen Staatsbahn, später der Deutschen Reichsbahn in Rheine zu arbeiten, eine Tätigkeit, die er bis zum August 1943 ausfüllte.

Im April 1943 wurden er und sein Freund Gerhard Luther, der vor 1933 ebenfalls aktives Gewerkschaftsmitglied war, von ihrem früheren Sportskameraden aus dem ARBS Franz Zielasko aufgesucht. Zielasko war bereits 1932 als aktives KPD-Mitglied in die Sowjetunion emigriert und hatte sich seitdem u. a. als Spanienkämpfer am antifaschistischen Widerstand beteiligt. Mitte März 1943 war er mit einem Fallschirm in der Nähe des besetzten Warschaus abgesetzt worden, mit dem Ziel in seine alte Heimat zu gelangen, um eine illegale KPD-Gruppe in Rheine aufzubauen. Duhme und Luther lehnten eine aktive Mitarbeit ab, unterstützten Franz Zielasko allerdings finanziell und ließen ihn auch bei sich übernachten. Duhme übergab ihm außerdem die Adressen ehemaliger Sportsfreunde. Vor allem aber unterließen es beide, ihren alten Kameraden bei der Gestapo zu denunzieren.

Im Juli 1943 waren die nationalsozialistischen Verfolgerbehörden darüber informiert worden, dass sich Zielasko im Ruhrgebiet befand und am Aufbau einer illegalen KPD-Gruppe arbeitete. Am 23. August wurden Gerhard Luther und Heinrich Duhme sowie noch weitere Unterstützer des sowjetischen Agenten verhaftet. Beide wurden zunächst in das Polizeigefängnis Gelsenkirchen gesperrt und anschließend nach Gladbeck verschleppt, wo die Verhöre unter der Anschuldigung „Vorbereitung zum Hochverrat“ gegen sie fortgesetzt wurden. Im Januar 1944 wurden sowohl Gerhard Luther und Heinrich Duhme als auch weitere 40 Unterstützer von Franz Zielasko dem Oberreichsanwalt beim „Volksgerichtshof“ überstellt, der ihre Verlegung ins Zuchthaus Amberg veranlasste. Ihr Prozess fand am 19. Juli 1944 in Nürnberg statt. Sie wurde wegen „Feindbegünstigung und Vorbereitung zum Hochverrat“ zum Tode verurteilt.

Die Gnadengesuche ihrer Familien, die jeweils nicht in die Aktivitäten eingeweiht waren und die Unschuld beteuerten, wurden nicht berücksichtigt. Am 3. August 1944 ordnete der Reichsjustizminister die Hinrichtung an, die nach mehreren Verschiebungen schließlich am 25. Oktober 1944 im Strafgefängnis Seilersbahn/Bruchsal vollstreckt wurde. Den Familien wurde hierzu keinerlei Mitteilung gemacht. Noch bis Ende des Naziregimes wurden sie in Ungewissheit gelassen.

Quellen:

  • Elena Thieme, Heinrich Duhme (1894 – 1944), in: Alfred Gottwaldt, Eisenbahner gegen Hitler. Widerstand und Verfolgung bei der Reichsbahn 1933 – 1945
  • DGB Ortsverband Rheine, Bericht zur Ehrung von Gerhard Luther und Heinrich Duhme, http://www.dgb-rheine.de/archiv/2014/Duhme und Luther.html, 3.1.2019