Bernhardt, Paul


Biografische Daten:

Name:Bernhardt, Friedrich Paul
Geboren:20.2.1887 in Wörmlitz bei Halle (Saale)
Beruf:Rangierer
Wohnort:zuletzt: Halle (Saale), Ammendorfer Weg 31
Bahnbeginn:9.6.1919
Gewerkschaft:DEV / EdED
Funktion:keine bekannt
Partei:„mehrere Jahre“ in der SPD
Funktionen:Mitglied im Arbeiter-Verband und im Reichsbanner „Schwarz-Rot-Gold“
Widerstand:soll sich von 1933 bis 1938 aktiv in Halle (Saale) am Widerstand beteiligt und u. a. versucht haben, die Fahne des Reichsbanners vor den Nazis zu retten
Verfolgung:Festnahme 19. April 1938 auf der Arbeitsstelle; nach kurzer Untersuchungshaft am 7. Juni als politischer „Schutzhäftling“ Deportation ins KZ Buchenwald, Häftlingsnummer 4860, Unterbringung im Block 38, Arbeitskommando „Elektriker“ und in der Gärtnerei
Gestorben:Paul Bernhardt starb am 28. April 1942 im KZ Buchenwald.

Gedenken:

Zu DDR- Zeiten wurde am Güterbahnhof Halle (Saale) ein Gedenkstein für Paul Bernhardt eingeweiht. Sein Verbleib ist unbekannt.

Biographie:

Paul Bernhardt wurde am 20. Februar 1887 in Wörmlitz, einem Dorf, das heute Teil der Stadt Halle (Saale) ist, geboren. Er war das vierte Kind des Handarbeiters Friedrich Bernhardt und dessen Frau Friederike Bertha Bernhardt, geb. Pfeiffer, die nach ihm noch zwei weitere Kinder bekamen. Kurz vor Pauls fünftem Geburtstag, am 11. Januar 1892, verstarb sein Vater. Welchen Einfluss dieses Ereignis auf die weitere Entwicklung des Jungen hatte und ob er, wie damals in solchen Fällen üblich, bereits frühzeitig zum Lebensunterhalt der Familie beitragen musste, ist bisher ebenso wenig bekannt, wie umfangreichere Details aus seinem weiteren Werdegang. Bekannt ist lediglich, dass er 1919, vermutlich nach der Rückkehr aus dem Ersten Weltkrieg, eine Anstellung im Bezirk der Reichsbahndirektion Halle (Saale) bekam und noch im selben Jahr, am 6. August, das Dienstmädchen Emma Minna Tümmler heiratete. Am 24. August 1923 kam in Halle (Saale) ihr gemeinsamer Sohn Hans zur Welt.

Paul Bernhardt war im Einheitsverband der Eisenbahner Deutschlands organisiert und soll sich Angaben seines Sohnes zufolge auch mehrere Jahre lang in der SPD engagiert haben sowie Mitglied im „Arbeiterverband“ und beim Reichsbanner „Schwarz-Rot-Gold“ gewesen sein. Die Machtübernahme der Nationalsozialisten überstand er zunächst unbeschadet. Er behielt seine Stelle als Rangierarbeiter am Hallenser Güterbahnhof.

1938 wurde er dort von zwei nationalsozialistischen Arbeitskollegen denunziert und am 19. April wegen staatsfeindlicher Äußerungen verhaftet. Sein Sohn Hans, der wenige Tage zuvor gerade seine Lehre begonnen hatte, erinnerte sich später, dass seinem Vater vorgeworfen wurde, sich gegenüber den Denunzianten mit den Worten geäußert zu haben, „wenn es anders kommt, kommt ihr zuerst dran.“ Obwohl seines Wissens nach bei den anschließenden Hausdurchsuchungen weder bei ihm noch bei anderen Angehörigen etwas gefunden wurde, hielt die Gestapo seinen Vater weiterhin fest, verschleppte ihn am 7. Juni 1938 gar ins KZ Buchenwald, wo er als politischer Schutzhäftling unter der Häftlingsnummer 4860 registriert wurde. Er gehörte dem Arbeitskommando „Elektriker“ an, war im Block 38 untergebracht und den Angaben seines Sohnes zufolge in der Gärtnerei beschäftigt.

Am 28. April 1942 verstarb Paul Bernhardt im KZ Buchenwald. Auf seiner Sterbeurkunde ist als Todesursache „Herzversagen nach Zwölffingerdarm-Operation“ angegeben. Das könnte auch ein Indiz dafür sein, dass er ein Opfer medizinischer Experimente war.


Quellen:

  • Eberhard Podzuweit, Widerstand von Eisenbahngewerkschaftern in Mittel- und Ostdeutschland
  • Bildquelle Sterbeurkunde: LASA, Rep. K MW VdN Halle Nr. 460, Akte Hans Bernhardt
  • Bildquellen aus dem KZ Buchenwald: Arolsen Archives (ITS), Signatur 01010503 001.033.419, DocID: 5526834 und 5526836