Für Josef Meier Zelt verlegter Stolperstein in der Berliner Sybelstr. 29

Zelt, Josef Meier


Biografische Daten:

Für Josef Meier Zelt verlegter Stolperstein in der Berliner Sybelstr. 29
Für Josef Meier Zelt verlegter Stolperstein in der Berliner Sybelstr. 29
Name:Zelt, Josef Meier
Geboren: Februar 1876 in Tarnau (heute: Tarnów, Polen)
Beruf:Arbeiter bei der Deutschen Reichsbahn, Gepäck- und Expressgutabteilung des Bahnhofs Berlin Friedrichstrasse
Wohnort:Berlin-Charlottenburg, Sybelstraße 29
Berlin, Innsbrucker Str. 54 (Mitte 1942 zwangsumgesiedelt)
Bahnbeginn:nicht bekannt
Gewerkschaft:nicht bekannt
Funktion:keine bekannt
Partei:nicht bekannt
Funktion:keine bekannt
Widerstand:nichts bekannt
Verfolgung:am 17. März 1943 nach Theresienstadt deportiert, später von dort nach Auswitz
Gestorben:Josef Meier Zelt wurde zusammen mit seiner Frau Franziska am 18. Dezember 1943 in Auschwitz ermordet.

Gedenken:

Am 30. April 2013 wurden in Gedenken an Josef Meier und Franziska Zelt vor dem letzten frei gewählten Wohnort des Ehepaares, in der Charlottenburger Sybelstraße 29, zwei Stolpersteine verlegt.

Biografie:

Josef Meier Zelt, geboren am 14. Februar 1876 in Tarnau in Galizien (heute: Tarnów, Polen), arbeitete bei der Gepäck- und Expressgutabteilung der Deutschen Reichsbahn am Berliner Bahnhof Friedrichstraße underhielt dafür 105 Reichsmark monatlich. Er war verheiratet mit Franziska Zelt, geb. Bukofzer, geboren am 18. Dezember 1872 in Zempelburg (heute: Sępólno Krajeńskie/Polen).

Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten, nachdem die Drangsalierungen und Anfeindungen gegenüber jüdischen Menschen stetig zunahmen, wollten die Eheleute in die USA auswandern, so wie es ihrem Sohn Martin und dessen Frau bereits gelungen war. Als sie am 19. Februar 1943 die dazu notwendige Vermögenserklärung ausfüllten, wohnten sie bereits seit sieben Monaten, zwangsweise als Untermieter in einem teilmöblierten Zimmer in der Innsbrucker Straße 54. Ihr Vermögen betrug den Angaben von Josef Meier Zelt zufolge 800 RM, die auf einem Konto bei der Deutschen Bank lagen; ihr Hausrat umfasste drei Stühle, ein Sofa, einen Tisch, zwei Federbetten, zwei Straßenanzüge und einen Wintermantel. Bereits einen Tag zuvor mussten sie dem Hauswart ihren Haus- und Zimmerschlüssel aushändigen.

Einen Monat später, am 16. März 1943, teilte das Oberfinanzpräsidium Berlin-Brandenburg die Beschlagnahme des gesamten Vermögens des Ehepaars Zelt mit, einschließlich 63,45 RM bei der Deutschen Reichsbahn sowie den Restforderungen über 7,79 RM gegenüber der Bewag und über 40 RM gegenüber der Gasag. Am Folgetag mussten Franziska und Josef Meier Zelt am Gleis 17 des Berliner Bahnhofs Grunewald in einen Zug steigen, der sie zusammen mit 1157 weiteren Menschen ins Ghetto Theresienstadt deportierte. Mit diesem sogenannten „4. großen Alterstransport“ verschleppten die NS-Organe auch 35 Kinder unter 15 Jahren nach Theresienstadt. Das Josef Meier und Franziska Zelt wurde neun Monate später von dort weiter nach Auschwitz deportiert und am 18. Dezember 1943 in den dortigen Gaskammern ermordet.

Ihr Sohn Martin Zelt kam am 3. Januar 1906 in Berlin zur Welt. Er war mit Gertrud Weinschenk, geb. am 19. Mai 1911 in Kaiserslautern, verheiratet. Ihnen gelang es vermutlich 1939, in die USA zu emigrieren. Die Gestapo Hamburg wandte sich am 25. April 1943 mit folgenden Worten an das Oberfinanzpräsidium Berlin-Brandenburg:

Betr. Ausbürgerung des Juden Martin Israel Zelt, zuletzt Berlin-Charlottenburg, Sybelstr. 29 wohnhaft gewesen.

Nach einer Mitteilung der Stabspolizeistelle Hamburg vom 25.5.43 ist das im Hamburger Freihafen lagernde Umzugsgut des Obengenannten versteigert worden. Der Reinerlös beträgt 2.116,60 RM und wird zu Ihrer Verfügung gehalten.

Die Bestätigung, dass die Vermögenswerte dem „Großdeutschen Reich verfallen seien“, erfolgte am 30. Mai 1944. Eine Korrespondenz von Rechtsanwälten mit der Treuhandverwaltung für jüdische und polnische Vermögen wegen des beschlagnahmten Vermögens von Dr. Martin Zelt, Gertrud Zelt (auch Gerta, später Gary genannt) und Ida Weinschenk sowie wegen der von ihnen gezahlten Judenvermögensabgaben und der Reichsfluchtsteuer zog sich von 1949 bis 1967. Ob es eine Entschädigung gab, ist in den vorliegenden Dokumenten nicht verzeichnet.


Quellen:

  • Stolpersteineinitiative Charlottenburg-Wilmersdorf, online
  • Arolsen Archives, Signatur: 15510042
  • Bildquelle Stolpersteine: wikipedia.de, Autor: OTFW, Berlin – Selbst fotografiert, CC BY-SA 3.0