Beckmann, Max (Senior)


Biografische Daten

Name:Beckmann, Max (Senior)
Geboren:19. Februar 1884 in Breslau (heute: Wrocław, Polen)
Beruf:Schlosser
Wohnort:zuletzt: Breslau, Rebenstr. 10
Bahnbeginn:unbekannt
Gewerkschaft:spätestens ab 1929 Mitglied des EdED, später der RGO IG Eisenbahn
Funktion:ab 1930 für die RGO Mitglied des Betriebsrats im RAW „Breslau Odertor“
Partei:SPD, 1929 Übertritt zur KPD
Funktion:keine bekannt
Widerstand:unter dem Decknamen „Förster“ Leiter der zweiten illegalen Bezirksleitung der KPD Schlesiens; Empfang, Transport und Vertrieb illegaler Druckmaterialien („Rote Fahne“, „AIZ“, Flugblätter) im Gebiet Breslau/Braunau; Aufrechthalten von Verbindungen zur illegalen KPD-Leitung in der CSR
Verfolgung:Am 15.4.1933 „wegen staatsfeindlicher Einstellung“ gemaßregelt und einige „Schutzhaft“; zweite Festnahme am 29.11.1934 während einer „Aktion“ gegen den „unter Max Beckmann senior wieder neu aufgebauten Parteiapparat der KPD“; bis 22. Dezember Polizeipräsidium Breslau, dann ins dortige Untersuchungsgefängnis; 3. bis 5. September 1935 Prozess vor dem „Volksgerichtshof“ in Breslau: 8 Jahre Zuchthaus und 8 Jahre Ehrverlust, Anrechnung von 9 Monaten U-Haft; nachkurzer Haft im Zuchthaus Groß-Strehlitz, Überführung ins Zuchthaus Luckau
Gestorben:Max Beckmann (senior) starb am 27. Oktober 1941 im Anstaltslazarett des Zuchthaus Luckau, angeblich an einer Typhus-Infektion.

Biographie:

Max Beckmann (Senior) wurde am 19. Februar 1884 in Breslau geboren. Er war seit 1906 verheiratet und Vater von sieben Kindern, die sich 1935 im Alter von 16 bis 29 Jahren befanden. Er lernte das Schlosserhandwerk und arbeitete spätestens ab 1929 in diesem Beruf im Breslauer Reichsbahnausbesserungswerk „Odertor“. Den Ersten Weltkrieg musste er von Anfang bis Ende als Soldat in einem Telegraphen-Bataillon miterleben. Seit wann er gewerkschaftlich organisiert war, ist ebenso wenig bekannt wie sein Beitrittsdatum zur SPD. Auf jeden Fall wechselte er spätestens 1929 von dort zur KPD, für die er sich zu diesem Zeitpunkt bereits im RAW am Verkauf der illegalen Betriebszeitung „Mit Volldampf voraus“ beteiligte. 1930 wählten ihn seine Kollegen auf der Liste der RGO in den Betriebsrat, dem er bis zu seiner am 15. April 1933 erfolgten Maßregelung angehörte.

Ob er sich bereits vor der Übernahme des Wiederaufbaus der illegalen KPD-Bezirksleitung für Schlesien an illegalen Aktivitäten beteiligte, ist nicht bekannt. Im Frühjahr 1934 begann Max Beckmann Senior gemeinsam mit seinem Sohn Max Heinrich Oskar Beckmann „alle losen illegalen Widerstandsgruppen zu einer Organisation zusammen [zu fassen].“ In den Folgemonaten gelang es ihnen und ihren Gehilfen, die neugeschaffenen Strukturen derartig auszubauen, dass die NS-Verfolgerbehörden später statt von der illegalen KPD-Bezirksleitung vom „Beckmann-Apparat“ sprachen.

Wie umfangreich ihre Aktivitäten waren, zeigt nicht zuletzt auch der Umstand, dass das Verfahren gegen ihn und seine Genossen in drei verschiedene Prozesse aufgeteilt, im Rahmen der Ermittlungen mehr als 50 Personen verhaftet und letzten Endes 31 von ihnen wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ angeklagt wurden. Da sich in der Hauptanklageschrift sowie im dazugehörigen Urteil jedoch noch mehrere Verweise auf weitere Prozesse finden lassen und sich darüber hinaus 1941 nochmals eine größere Verhandlung mit Beteiligten des „Beckmann-Apparates“ beschäftigte, ist davon auszugehen, dass die Zahl der tatsächlich beteiligten Personen wesentlich höher war.

Ihre Arbeit in der illegalen Organisation konzentrierte sich vor allem auf die Beschaffung und Verteilung von kommunistischem Schriftgut. Dabei kam es dem Führungskader um Beckmann zu Gute, dass dessen Mitglieder auf verschiedene Kontakte zu zwischenzeitlich in die CSR emigrierten, ehemaligen Partei- und Gewerkschaftsfunktionären zurückgreifen konnten, um die illegalen Druckerzeugnisse von dort einzuführen. Später gingen die Mitglieder der illegalen schlesischen Bezirksleitung sogar dazu über, auch eigene Druckerzeugnisse herzustellen und zur Verteilung zu bringen.

Außerdem begannen sie unter Beckmanns Leitung, der offenbar zuweilen auch unter Nutzung des Decknamens „Förster“ auftrat, den ehemaligen Parteiapparat wiederaufzubauen und zu institutionalisieren. Sie richteten nicht nur eine feste Verteilerstruktur für ihre Propagandamaterialien ein, sondern versuchten die beteiligten Personen, unter denen sich mit Georg Hasse und Walter Knöpel mindestens noch zwei weitere Eisenbahner befanden, nach dem Fünfergruppenprinzip zu strukturieren und zu einer regelmäßigen Beitragskassierung überzugehen. Zur Koordination des Ganzen waren regelmäßige Treffen unerlässlich und gehörten damit – zumindest für den Führungskader – zu den alltäglichen Aufgaben der illegalen Widerstandsarbeit. Bekannt ist weiterhin, dass Teile der Leitung im Herbst 1934 sogar an einer illegalen Funktionärskonferenz mit Vertretern des Zentralkomitees der (Exil-)KPD im tschechischen Braunau (heute Broumow) teilnahmen.

Nachdem es der Gestapo gelungen war, einen Spitzel in den „Beckmann-Apparat“ einzuschleusen, holte sie am 29. November 1934 zum großen Schlag aus, verhaftete etliche der aktiven Funktionäre und zerschlug binnen weniger Tage große Teile der illegalen Bezirksleitung der schlesischen KPD.

Im Rahmen des Verfahrens nahm Max Beckmann Senior den Großteil der Schuld auf sich, so dass ihn am Ende das mit Abstand höchste Strafmaß ereilte. Er wurde vom Volksgerichtshof nach dreitägiger Verhandlung am 5. September 1935 in Breslau zu acht Jahren Zuchthaus und acht Jahren Ehrverlust verurteilt. Die Nationalsozialisten brachten ihn zunächst ins Zuchthaus Groß-Strehlitz und sperrten ihn später ins Zuchthaus Luckau, wo er am 27. Oktober 1941 im Anstaltslazarett verstarb.

Quellen:

  • Eberhard Podzuweit, Widerstand von kommunistischen Eisenbahngewerkschaftern in Mittel- und Ostdeutschland (unveröffentlichtes Skript, weitere Quellen dort)
  • BArch, R 58/2272 und R 58/3719, Akten des Reichssicherheitshauptamtes
  • BArch, R 3018/FBS 110/2242, NJ 4394, Merkblatt des Oberreichsanwalts Berlin in der Strafsache gegen den Arbeiter Berthold Hanisch und andere
  • BArch, R 3018/FBS 110/2871, NJ 13463, Reichsjustizministerium, Unterlagen gegen „Schwarz“
  • SAPMO-BArch, DY 55/V 241/7/30, Forschungsstelle der VVN, Berichtesammlung
  • SAPMO-BArch, RY 1/I 2/3/48, Historisches KPD-Archiv
  • Anklage 15 J 20/35 und Urteil 1 H 40/35 – 15 J 20/35 gegen Beckmann u. a., in Online-Datenbank