Gedenktafel am ehemaligen Wohnhaus Seelingstraße 21

Hüttig, Richard


Biografische Daten:

Gedenktafel am ehemaligen Wohnhaus Seelingstraße 21
Gedenktafel für Richard Hüttig an seinem ehemaligen Wohnhaus in der Seelingstraße 21
Name:Hüttig, Richard Hermann
Geboren:18. März 1908 in Bottendorf
Beruf:Arbeiter
Wohnort:zuletzt: Malplaquetstraße 12 (heute: Seelingstraße 21), in Berlin-Charlottenburg
Bahnbeginn:nicht bekannt
Gewerkschaft:nicht bekannt
Funktion:keine bekannt
Partei:KPD
Funktionen:Mitglied des Rotfrontkämpferbundes (RFB) und in dessen Jugendabteilung, der „Roten Jungfront“ sowie nach deren Verbot Führer einer Häuserschutzstaffel in Berlin-Charlottenburg im neu gegründeten „Kampfbund gegen den Faschismus“
Widerstand:verdächtigt, den SS-Scharführer Kurt von der Ahe im Februar 1933 ermordet zu haben
Verfolgung:1933 bei einer Razzia festgenommen, seit 20. Mai 1933 in Untersuchungshaft, unter anderem im Gestapo-Gefängnis am Columbiadamm inhaftiert und misshandelt; am 16. Februar 1934 wegen „schweren Landfriedenbruchs und versuchten Mordes“ durch ein Sondergericht zum Tode verurteilt
Gestorben:Das Urteil wurde am 14. Juni 1934 vollstreckt und Richard Hüttig unter freiem Himmel mit dem Handbeil enthauptet.

Gedenken:

Im Umfeld der Berliner Gedenkstätte am ehemaligen Zuchthaus Plötzensee wurde 1950 die Straße, die zur Gedenkstätte führt, in Hüttigpfad umbenannt.

An seinem einstigen Wohnort in der Charlottenburger Seelingstraße 21 ist eine Gedenktafel angebracht, in seinem einstigen Heimatort wurde ein Platz nach ihm benannt.

Der Schriftsteller Jan Petersen hat noch während der Nazizeit das Buch „Unsere Straße“ geschrieben, das sich ausführlich mit dem Schicksal Richard Hüttigs, seinem Kampf gegen die Nazis, seiner Verfolgung und seinem Tod befasst.

Im Jahr 2014 wurde am „Haus der Jugend“ in der Zillestraße 54 in Berlin-Charlottenburg, unter großer Anteilnahme der Bevölkerung, eine Gedenktafel für 71 aktive, aus Charlottenburg stammende Gegner des Naziregimes eingeweiht. Unter den auf dieser Tafel Geehrten befindet sich auch der Name von Richard Hüttig.

Biographie:

Grabstein von Richard Hüttig
Grabstein von Richard Hüttig

Richard Hüttig wurde in Bottendorf in Sachsen-Anhalt geboren und kam mit 17 Jahren nach Berlin. Sein Bezug zur Eisenbahn ist noch ungeklärt. Sein Name wurde jedoch in der illegalen Zeitung des EdED, Sektion der I. T. F., Nr. 7/1937 gemeinsam mit anderen ermordeten Eisenbahnern als eines der Naziopfer erwähnt:

„Nach Hermann Basse, Gustav Sauf, Franz Stenzer und Richard Hüttig ist Hans Wiechmann das 6. Opfer des Naziterrors aus unseren Reihen…“.

Richard Hüttig beteiligte sich sehr bald am antinazistischen Widerstand, noch vor der Machtübertragung an die Nazis. Ihm war schon bekannt, dass er wegen des Todes des Kurt von der Ahe von der SS gesucht wurde. Dennoch gelang es ihm zunächst, in die Illegalität zu gehen, indem er sich in seine Heimatregion um Querfurt zurückzieht. Bei einem Aufenthalt in Berlin ergriffen ihn Funktionäre von SA und SS während einer Razzia und verschleppten ihn in das berüchtigte Folterlager „Columbiahaus“, wo sie ihn misshandelten.

Anfang des Jahres 1934 wurde er schließlich vor ein Sondergericht gestellt. Obwohl selbst die Richter ihm die vorgeworfene Tat nicht nachweisen konnten, zumal er nachweislich bei dem Zwischenfall unbewaffnet war, wurde er am 16. Februar 1934 zum Tode verurteilt. Bis heute ist nicht endgültig aufgeklärt, wer für den Tod des SS-Scharführers verantwortlich war. Höchstwahrscheinlich wurde er von den eigenen SS-Leuten erschossen, die ihn für einen Kommunisten hielten.

Richard Hüttig wurde jedenfalls am 14. Juni 1934 auf dem Hof des Strafgefängnisses Berlin-Plötzensee „unter freiem Himmel mit einem Handbeil“ enthauptet. Er gilt als eines der ersten politischen Opfer der Nazijustiz. Der Gefängnispfarrer Harald Poelchau bezeichnete diese Hinrichtung später als einen reinen Justizmord.

Quellen:

  • Totenbuch der Gedenkstätte Plötzesee, Eintrag Richard Hüttig, online einsehbar
  • VVN/BdA Charlottenburg
  • Jan Petersen, Unsere Strasse – Eine Chronik
  • Bildquellen: Artur Aschmoneit