Hölzcker, Richard


Biografische Daten:

Name:Hölzcker, Hermann Wilhelm Richard
Geboren:29. März 1878 in Uelzen
Berufe:Schlosser, Gewerkschaftsangestellter; später Versicherungsvertreter, ab 1934 Prokurist und Vorstandsmitglied der „Allgemeinen Krankengeldzuschuß- und Sterbekasse V. V. a. G.“, Berlin
Wohnorte:Berlin Charlottenburg, Brombeerenweg 13 (Ende 1932)
Groß-Glienicke/Osthavelland, Ahornallee 7 (1938/39)
Bahnbeginn:nicht bekannt
Gewerkschaft:DEV / EdED
Funktionen:ab 1. Februar 1919 Angestellter des DEV bzw. ab 1925 des EdED in Berlin
1927–1933 Hauptkassierer und damit automatisch Vorstandsmitglied des EdED
nahm als Delegierter am ITF-Kongress vom 22.9. zum 27.9.1930 in Lodon und an Sitzungend des ADGB-Bundesausschusses teil
Partei:SPD
Funktion:keine bekannt
Widerstand:1938 hielt die Gestapo infolge einer Denunzierung fest, dass Hölzcker als „Vertreter bei der Versicherungsgesellschaft ‚Zukunft'“ angestellt sei und dass dieselbe als „Hort von Marxisten“ diene; tatsächlich fungierte Hölzcker zu diesem Zeitpunkt als Prokurist der Berliner Sterbekasse, die sein ehemaliger Gewerkschaftskollege, Freund und Grundstücksnachbar Karl Blass als „Tarnorganisation“ nutzte, um mit einstigen Gewerkschaftsfunktionären des EdED im gesamten Reichsgebiet in Kontakt zu bleiben; Hölzcker traf sich 1938 in Jena und 1939 in Dresden u. a. mit Johann Emmert
Verfolgung:im Mai 1933 entlassen, unmittelbar danach von der Gestapo festgenommen und verhört, vermutlich auch misshandelt
Gestorben:20. Oktober 1939 in der Berliner Charité


Jacobus Oldenbroek, Leiter des ITF-Büros und Stellvertreter von Edo Fimmen, hielt im Bericht über seine Deutschlandreise 1933 fest:

„[Richard] Hölzcker, Kassierer des Einheitsverbandes, wurde wiederholt streng verhört, es konnte ihm aber in Verbindung mit der Verwaltung der Kasse nichts zur Last gelegt werden. Die Beleidigungen aber, welche er sich von den Nazis gefallen lassen mußte, hatten eine solche Auswirkung auf ihn, dass er einige Tage an sich selber irre wurde und herumschweifte. Inzwischen erholt er sich wieder, er hat aber, wie alle anderen, mit großen finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen.“

Jacobus Oldenbroek, Amsterdam, berichtet über seine Deutschlandreise und Besuche bei führenden Gewerkschaftern, 5. bis 7. 9. 1933

Quellen:

  • Siegfried Mielke/Stefan Heinz, Eisenbahngewerkschafter im NS-Staat. Verfolgung – Widerstand – Emigration (1933-1945)
  • Siegfried Mielke/Matthias Frese (Bearb.), Die Gewerkschaften im Widerstand und in der Emigration 1933–1945, Frankfurt a. M. 1999 (Quellen zur Geschichte der deutschen Gewerkschaftsbewegung im 20. Jahrhundert, Bd. 5), S. 318–328 (Bericht Oldenbroek)
  • Eberhard Podzuweit, Widerstand von Eisenbahngewerkschaftern in Mittel- und Ostdeutschland