Winkler, Rudolf


Biografische Daten:

Name:Winkler, Rudolf Karl
Geboren:11. März 1909 in Leipzig-Volkmarsdorf
Beruf:Eisendreher
Wohnort:zuletzt: Leipzig O 5, Natalienstraße 19
Bahnbeginn:nicht bekannt
Gewerkschaft:DEV, DMV, Fabrikarbeiterverband
Funktion:keine bekannt
Partei:KPD (seit 1928)
Funktionen:aktiv im Arbeitersportverein und von 1924 bis 1928 im Kommunistischen Jugendverband KJVD
Widerstand:Verbindung mit illegalen Funktionären der KPD; Schmuggel illegaler Literatur aus der CSR über die tschechische Grenze und Verteilung derselben im Deutschen Reich
Verfolgung:siehe unten
Gestorben:Das Schicksal von Rudolf Winkler ist bis heute ungeklärt. Er gilt als verschollen und wurde in den 1950er Jahren für Tod erklärt.
Weitere Infos:bisher keine belastbaren Hinweise auf Verbindung zur Eisenbahn; gemäß selbstverfasstem Lebenslauf in der Zuchthausakte, Möglichkeit als Dreher bei der Bahn gelernt zu haben (1923-1926); allerdings in demLebenslauf, den die Mutter 1950 schrieb Angabe: 1915-1923 Volksschule in Leipzig-Volkmarsdorf „mit dem üblichen Durchschnittserfolg“; 1923-1926 Dreherlehrling Firma Kirchner & Co. Leipzig; Prüfung sehr gut; 1926-1940 Arbeit als Dreher bei verschiedenen Firmen (u. a. bei Berger & Wirth, Schumann & Co. …); sie gibt auch nur an, dass er gewerkschaftlich seit 1. Juli 1926 im Fabrikarbeiterverband, ab 15. November 1932 in der RGO organisiert war

Verfolgung:

Am 12. Juni 1934 wurde Rudolf Winkler zum ersten Mal verhaftet und nach Leipzig in Untersuchungshaft gebracht. Das Oberlandesgericht Dresden verurteilte ihn am 18. Juni 1935 „wegen gemeinschaftlichem Hochverrat“ zu einem Jahr und acht Monaten Zuchthausstrafe sowie zweijährigem Ehrverlust. Winkler wurde ins Zuchthaus Zwickau überstellt und von dort am 18. Dezember 1935 entlassen. Wann die zweite Festnahme erfolgte, ist nicht genau bekannt. Fest steht nur, dass ihn die NS-Richter des Oberverwaltungsgerichtes in Leitmeritz am 8. November 1940 erneut wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zu einem Jahr und drei Monaten Gefängnis verurteilten. Aus dem Gefängnis verschleppte ihn die Gestapo direkt ins KZ Dachau. Sein Zugang als „Schutzhäftling“ ist für den 21. November 1941 vermerkt.

Rudolf Winkler bekam die Häftlingsnummer 28696. Die Nazis hielten ihn für fast drei Jahre im Konzentrationslager gefangen. Am 10. November 1944 entließen sie ihn zur sogenannten „SS Brigade Dirlewanger“. Diese ursprünglich Anfang 1940 aus verurteilten Wilderern gebildete Spezialeinheit war für ihr besonders grausames Vorgehen gegen Zivilisten und ihre generelle Brutalität bekannt. Ab Mitte Sommer 1944 wurde das „Aufräumkommando“ zunehmend auch zur Verteidigung gegen die vorrückende Sowjetarmee eingesetzt, was zum Teil herbe Verluste mit sich brachte. Ihr Anführer Oskar Dirlewanger begann daraufhin im Oktober 1944 mit Genehmigung Himmlers, in den Konzentrationslagern reichsdeutsche Häftlinge zu rekrutieren. Einer dieser neuen Rekruten muss Rudolf Winkler gewesen sein.

Ob er im anschließenden Kampfeinsatz sein Leben verlor oder vielleicht sogar zu den Soldaten des 3. Bataillons des 2. Regiments gehörte, das im Dezember 1944 in Ungarn nahezu in gesamter Stärke zu den Russen überlief, ist nicht bekannt. Seine Spur verliert sich nach der Entlassung aus dem KZ. Das benannte Bataillon bestand jedenfalls nachweislich aus einer Vielzahl aus dem KZ Sachsenhausen und Dachau rekrutierten politischen Häftlingen.

Quellen:

  • Widerstandskartei im Bundesarchiv
  • 30071 Zuchthaus Zwickau, Sign. 17126, Gefangenenakte Karl Rudolf Winkler
  • StAL, 20031 Polizeipräsidium Leipzig, Strafakte PP-S 6717/41 Rudolf Winkler
  • StAL, 20237 Bezirkstag und RdB Leipzig, Nr. 15978, VdN-Akte Marie Geidel, geb. Buhle
  • Schreiben aus der KZ-Gedenkstätte Dachau vom 4.11.2015