Wiechmann, Hans


Biografische Daten:

Name:Wiechmann, Hans Eduard Gottfried
Geboren:30. April 1885 in Danzig (heute: Gdańsk, Polen)
Berufe:Werft- und Bauarbeiter (bis 1918)
Eisenbahnbediensteter in Danzig (ab 11.1918)
Werkhelfer (1920)
ab 1927 verbeamteter Eisenbahnschaffner
Wohnort:nicht bekannt
Bahnbeginn:1918
Gewerkschaft:DEV / EdED, AAV (Allgemeiner Arbeiterverband Danzig)
Funktionen:Leiter der Presseabteilung des EdED in Danzig sowie Herausgeber des dortigen Verbandsblattes
gründete Ende 1918 mit Paul Niedergesäss die Ortsgruppe Danzig des DEV
Vorsitzender der Ortsverwaltung Danzig des EdED
ab 1925 Mitgleid des Verbandsbeirats
nahm als Delegierter an den ITF-Kongressen vom 15.-21.9.1926 in Paris, vom 22.-27.9.1930 in London und vom 7.-13.8.1932 in Prag teil
von 1920-1927 Mitglied, seit 1921 Vorsitzender der Arbeitervertretung bei den polnischen Staatsbahnen in Danzig
ab 1924 Vorsitzender des Bezirksbetriebsrat Danzig
seit April 1928 nebenamtlicher Arbeitsrichter in Danzig
Partei:SPD
Funktionen:Mitglied des örtlichen SPD-Vorstandes, Kassierer
SPD-Abgeordneter des Volkstags/Danziger Senats ab 1933
Widerstand:kam zusammen mit Gustav Kaiser nach den Geschehnissen des 2. Mai nach Berlin, um das weitere Vorgehen zu besprechen; als Folge fand ein Treffen mit Hans Jahn statt, um sich zu beraten; Teilnehmer der „Roskilder Konferenz“ in Dänemark im April 1935
Verfolgung:Hans Wiechmann wurde am 25. Mai 1937 von der Gestapo verhaftet, nach unbekannt verschleppt und höchstwahrscheinlich ermordet.
Gestorben:Als Todestag von Hans Wiechmann wird weitläufig der 26. Mai 1937, als Todesort Danzig-Oliva angegeben.
weitere Infos:Vater Adolf Wilhelm Wiechmann, Musiker; Mutter Amanda Amalie Charlotte Wiechmann, geborene Heckmann; seit 29. April 1920 verheiratet mit Herta (oder Greta) Frieda Meta Wiechmann, geborene Nogorznik (7.4.1896 in Kokoschken, Kreis Danziger Höhe); Volksschule bzw. Mittelschule in Danzig; Lehre abgebrochen, zunächst Seemann, dann Bauarbeiter; 11.1915-11.1918 Kriegsteilnahme bei einer Marinedivison

Gedenken:

Hans Wiechmann wurde auf der Gedenktafel verewigt, die die GdED am 9. Mai 1983 für während der NS-Zeit ermordete Eisenbahngewerkschafter in ihrer damaligen Zentrale in Frankfurt (Main) einweihte.

Biographie:

Hans Wiechmann (auch Wichmann), geb. 30. April 1895 in Danzig, amtierte seit der Gründung 1918 als Vorsitzender der Ortsgruppe Danzig des DEV bzw. des EdED, leitete die dortige Presseabteilung seines Verbandes und fungierte als Herausgeber des dortigen Verbandsblattes. Weiterhin gehörte er dem örtlichen SPD-Vorstand an und wurde 1933 für diese Partei in den Danziger Volkstag gewählt.

Hans Wiechmann, der zu diesem Zeitpunkt immer noch Mitglied des Volkstages war, wurde am 25. Mai 1937 auf offener Straße von der Danziger Gestapo festgenommen. Obwohl er angeblich direkt nach dem Verhör wieder freigelassen wurde, wurde er nicht mehr gesehen. Die polnische Parteipresse meldete wenig später, dass er nach Deutschland verschleppt worden sei, während die NS-gesteuerte Danziger Presse erklärte, dass „Wichmann sich im Juni seiner Danziger Ausweispapiere auf polnischem Boden entledigt hat und er dann unter falschem Namen und mit falschen Papieren nach Rot-Spanien gegangen ist“, um sich einem „gegen ihn anhängigen Strafverfahren wegen illegaler Betätigung zu entziehen.“ (BArch, RY 1/I 2/3/45, Unterlagen des ZK der SED, Bl. 102, Original-Zeitungsartikel ohne Herkunftsangaben).

Ernst Sodeikat zufolge wurde am 12. Juni 1937 ein Leichnam aus der Weichsel geborgen, bei dem es sich um Wiechmann gehandelt haben soll. Er gibt weiterhin an, dass der scheidende Danziger Senatspräsident gegenüber dem Völkerbundskommissar kurz vor Kriegsausbruch erklärt habe, „daß Wiechmann von der Danziger Gestapo gefoltert worden und darauf gestorben sei.“ (Ernst Sodeikat, Der Nationalsozialismus und die Danziger Opposition, in: Vierteljahresheft für Zeitgeschichte, Jahrgang 14 (1966), Heft 2, S. 139-174, hier S. 173, FN 92)

Quellen:

  • Dissertation Podzuweit
  • BArch, RY 1/I 2/3/45, Unterlagen des ZK der SED
  • Ernst Sodeikat, Der Nationalsozialismus und die Danziger Opposition, in: Vierteljahresheft für Zeitgeschichte, Jahrgang 14 (1966), Heft 2, S. 139-174