Wiatrek, Heinrich


Biografische Daten:

Name:Wiatrek, Heinrich Walter (Pseudonym: Fritz Weber)
Geboren:1. Juli 1896 in Gleiwitz (heute: Gliwice, Polen)
Beruf:Metallarbeiter
Wohnort:zuletzt: Gleiwitz, Tarnowitzer Landstr. 232
Bahnbeginn:1918
Gewerkschaft:DEV / EdED (seit 1921)
Funktion:keine bekannt
Partei:KPD (seit Ende 1922)
Funktionen:Schriftführer einer Ortsgruppe bei Gleiwitz
Mitglied der Stadtverordnetenversammlung und unbesoldeter Stadtrat in Gleiwitz
Mitglied des Provinz-Landtags von Oberschlesien ab Herbst 1929 und Kooptierung in die Bezirksleitung der KPD Oberschlesien, dort bis 1932 Kassierer, Kulturobmann und Mitglied des Sekretariats der Bezirksleitung Oberschlesien
zeitweise Organisations- sowie Agitations- und Propagandaleiter (Agitprop-) sowie Instrukteur
Kandidat der KPD zur Reichstagswahl vom 31. Juli 1932
seit 1925 Mitglied im Rotfrontkämpferbund (RFB), dort Gauleiter und von Sommer 1928 bis Frühjahr 1929 Gaukassierer (Bezirkskassierer) Oberschlesien
Proletarischer Freidenkerverband (1930/31 Vorsitzender Ortsgruppe Gleiwitz), Bund der Kriegsbeschädigten (1929/30 Mitglied der Kreisleitung)
Teilnahme an Abstimmungskämpfen über Anschluss Schlesiens (PL oder D) als Mitglied des oberschlesischen Selbstschutzes und im „Verband heimattreuer Oberschlesier“
Widerstand:Ende November 1934 in Düsseldorf erst Organisations-, dann Politischer Leiter für die illegale KPD; später als Mitglied der Landesleitung Berlin an der Erarbeitung und Verbreitung von Flugblättern und Zeitungsmaterial beteiligt
August 1935 unter dem Decknamen „Fritz Weber“ Teilnahme am VII. Weltkongress der Kommunistischen Internationale und im Oktober desselben Jahres an der sogenannten „Brüsseler Konferenz“ der KPD; dort zum Kandidaten des Zentralkomitees (ZK) der KPD gewählt; anschließend Verbindungsmann zwischen ZK und Kommunistischer Internationale (KI), als deutscher Vertreter Nachfolger von Fritz (Fiete) Schulte
1937 Leiter der illegalen Abschnittsleitung „Nord“ der KPD in Kopenhagen; organisierte illegale Dampfereinreise nach Stettin von Arthur Emmerlich und Rudolf Hallmeyer; kurz nach Kriegsausbruch Emigratio nach Schweden, dort 1940 Mitglied der illegalen KPD-Leitung für Deutschland; in dieser Zeit unter anderem Zusammenarbeit mit Karl Mewis und Konrad Blenkle zusammen
Verfolgung:am 27. März 1936 unter der Nr. 2224 auf einer Gestapoliste flüchtiger Antifaschisten zur Aufenthaltsermittlung in Russland aufgeführt
im April 1938 Aberkennung der deutschen Staatsangehörigkeit durch das Naziregime
am 19. Mai 1941 in Kopenhagen Festnahme; Vernehmung durch Gestapo Hamburg ab 12. Juni 1941; am 10. März 1943 Anklage wegen „Hochverrat“; am 17. Mai 1943 vom „Volksgerichtshof“ zum Tode verurteilt, später auf Intervention „höchster Gestapostellen“ jedoch wegen umfangreicher Geständnisse in eine Zuchthausstrafe umgewandelt; Verlegung aus der Todeszelle in Plötzensee nach Hamburg, später in das Zuchthaus Brandenburg; kurz vor Einmarsch der sowjetischen Truppen von dort entlassen
Gestorben:Heinrich Wiatrek starb am 29. Oktober 1945 an Tuberkulose in einer Lungenheilanstalt in Bad Reiboldsgrün an den Folgen seiner langen Inhaftierung.
weitere Infos:Vater Eisenbahnbeamter; 9 Geschwister; Besuch der Volksschule in Gleiwitz; 1913 freiwillig zur kaiserlichen Marine; auf Linienschiff „Rheinland“ Teilnahme an der Seeschlacht von Skagerrak; 1916 nach freiwilliger Meldung U-Boot-Flotte, 13 Feindfahrten mitgemacht (zuletzt Bootsmannmaat), Eisernes Kreuz II. Klasse; Dezember 1918 Entlassung aus Marine; wollte nach dem Kriegsdienst eigentlich das Schlosserhandwerk erlernen, fand aufgrund seines da schon hohen Alters aber keine Lehrstelle; auch nicht als Praktikant im Bergbau oder Schüler an der Maschinenbauschule zugelassen; daraufhin Arbeiter in verschiedenen Betrieben und als Reisender bis Erwerbslosigkeit 1927; bekam aufgrund eines Herzleidens aus seiner Armeezeit 80-prozentige Rente; beteiligte sich an den Abstimmungskämpfen, zweimalige Fetsnahme durch die Polen und Auszeichnung mit dem „Schlesischen Adler“ II. Klasse; 1918-1927 Arbeit im RAW Gleiwitz, Bruder Wilhelm Wiatrek war dort auch beschäftigt und fungierte zumindest zeitweise als Organisationsleiter der Industriegruppe Eisenbahn in der RGO und Mitglied der Gauführung des RFB in Oberschlesien. Seine Brüder Fritz und Wilhelm waren ebenfalls in der Illegalität aktiv; Bruder Fritz Wiatrek wurde 1938/39 im Verfahren gegen Richard Baron u. a. angeklagt, später aus diesem Verfahren (Urteilsspruch 15.9.1939) herausgelöst und das Verfahren gegen ihn am 2. April 1940 eingestellt; Heinrich Wiatrek flüchtete nach seiner ENtlassunge in den Wirren des Kriegsendes zu seinem Bruder Fritz

Quellen:

  • Weber/Herbst: Deutsche Kommunisten, S. 1020f.
  • Widerstandskartei im Bundesarchiv
  • BArch, DY 55/V 278/5/46, Bd. 7, VVN, Häftlingskartei Zuchthaus Plötzensee
  • BArch, R 58/2294, R 58/4202, R 58/3230 und R 58/3833
  • BArch, R 3017/7881 – Heinrich Wiatrek, Akten des Volksgerichtshofes
  • BArch, SgY 30/1244/1, Erlebnisberichte Karl Mewis