Rehschuh, Otto


Biografische Daten:

Name:Rehschuh, Paul Otto
Geboren:13. März 1891 in Göppersdorf, Bezirk Pirna (jetzt Gemeinde Bahretal)
Berufe:ungelernt, später Arbeiter
Rangieraufseher (1913-1920)
Geschäftsführer, Inseraten-Akquisiteur der Dresdener Tageszeitung „Der Volksstaat“ bis deren Verbot, danach „Reisender“
Wohnort:zuletzt: Dresden A 1, Große Plauenschestr. 21 II
Bahnbeginn:1913
Gewerkschaft:DMV, DEV / EdED, ADB
Funktionen:ab 1907 gewerkschaftlich organisiert, seit 1917 im DEV
1920 Mitglied in der Unterstützungsvereinigung der in der modernen Arbeiterbewegung tätigen Angestellten in Dresden
seit 1920 im DEV angestellt, 14. Januar 1923 bis ca. 1933 Geschäftsführer der DEV- bzw. EdED-Ortsgruppe Dresden
1928 Delegierter der 2. ordentlichen Generalversammlung des EdED
Vorsitzender des ADB in Dresden
Partei:SPD (ab 1910)
Funktionen:bei letzter Wahl Ende 1932 zum Stadtverordneten in Dresden gewählt, vom 1. Januar 1933 bis zum 3. April 1933 Mitglied des Stadtverordnetenkollegiums und im Finanzausschuss
in ständigen Ausschüssen der städtischen Verwaltung aktiv (Industrie- und Verkehrsausschuss, Personalausschuss für Beamte usw., Ausschuss für das Plakatwesen)
Mitglied des Gauvorstandes des „Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold“
Widerstand:Kontakt mit Gleichgesinnten in Berlin, Teilnahme an illegalen Treffen; Kontakt mit Antifaschisten in der ČSR und gemeinsam mit seiner Frau Beteiligung am Schmuggel des „kleinen Vorwärts“ sowie von Nachrichten
Verfolgung:am 16. November 1933 zusammen mit seiner Ehefrau Martha, Sohn Woldemar und Tochter Ilse wegen „staatsfeindlicher Umtriebe“ verhaftet; bis 10. Dezember 1933 in Untersuchungshaft im Gefängnis Dresden, vom 13. bis 29. Januar 1934 erneut dort inhaftiert
am 26. Juli 1944 im Zuge der „Aktion Gewitter“ Verhaftung und Überführung in das Dresdener Polizeigefängnis, später von dort ins KZ Sachsenhausen, dort unter der Häftlingsnummer 104429 registriert
am 16. Oktober 1944 ins KZ Neuengamme verschleppt und unter der Häftlingsnummer 59021 registriert; seine in der dortigen Effektenkammer hinterlassene Armbanduhr wird noch heute beim Arolsen Archive verwahrt
Gestorben:Otto Rehschuh starb 1945 gegen Kriegsende in der Lübecker Bucht. Amtlich wurde später der 30. April 1945 als Todesdatum festgelegt. Unter welchen Umständen er zu Tode kam, ist bis heute nicht ganz geklärt. Während einige Quellen festhalten, dass er bei einem Luftangriff an Bord eines Transportdampfers starb, geben andere Quelle an, dass er währed des Einsatzes mit einem Minenräumkommando starb. In der Kurzbiographie, die zwei seiner ehemaligen Reichsbahn-Kollegen in den 1960er Jahren verfassten, ist dahingegen davon die Rede, dass Otto Rehschuh zu den KZ-Häftlingen gehörte, die auf der „Cap Arcona“ untergingen.
weitere Hinweise:Rehschuhs Vater war Straßenarbeiter, er hatte einen Bruder; seit 16. Mai 1914 verheiratet mit der Buchbinderhelferin Martha Alma Rehschuh, geb. Dobritz (5.1.1891 in Dresden, verst. 25.7.1972); das Paar hatte vier Kinder (Martha Frieda Homann, geb. Rehschuh, geb. 14. Juli 1910; Woldemar Rehschuh, geb. 11. Juni 1913; Ilse Rehschuh, geschiedene Seifert, geb. 16. Dezember 1915; der Name des vierten Kindes ist unbekannt); Besuch der Dorfschule in Neuendorf, Wehrdienst 1911-1913 bei den Schützen; Martha Rehschuh verurteilten die NS-Richter Ende 1933 zu acht Monaten Gefängnis

Gedenken:

Otto Rehschuhs Name wurde auf der Gedenktafel verewigt, die die GdED am 9. Mai 1983 für während der NS-Zeit ermordete Eisenbahngewerkschafter in ihrer damaligen Zentrale in Frankfurt (Main) einweihte.

Zu DDR-Zeiten trug ein Genesungsheim der Deutschen Reichsbahn im sächsischen Hartha den Namen Otto Rehschuhs.


Quellen:

  • Dissertation Podzuweit
  • Ingo Ganz, Rehschuh, Otto (1891-1945), in: Mielke, KZ-Gewerkschafter, Bd. 2, S. 373 f.
  • Gottwaldt, Alfred, „Eisenbahner gegen Hitler“
  • Bilderquelle: Arolsen Archives, Signatur 01013002 028.354, Akten des KZ Neuengamme und Signatur 129301738, beim Arolsen Archive verwahrte Effenkten von Otto Rehschuh