Obernauer, Andreas


Biografische Daten:

Name:Obernauer, Andreas (auch Andrä)
Geboren:1. Januar 1901 in Kitzbühl (bei Innsbruck, Österreich)
Beruf:Schaffner
Wohnort:nicht bekannt
Bahnbeginn:nicht bekannt
Gewerkschaft:nicht bekannt
Funktion:keine bekannt
Partei:Sympathisant der KPÖ/KPD
zeitweise „völkischen“ Organisationen nahestehend und ab 1940 Mitglied der NSDAP
Funktion:keine bekannt
Widerstand:aktive Mitarbeit in illegalen kommunistischen Zellen, die der Berliner „Uhrig-Organisation“ angeschlossen waren; u. a. Aufbau einer Unterstützungsorganisation für verhaftete Reichsbahnkollegen
Verfolgung:vom „Volksgerichtshof“ am 13. April 1944 wegen „Vorbereitung zum Hochverrat und Feindbegünstigung“ zum Tode bei „dauerndem Ehrverlust“ verurteilt
Gestorben:Das Urteil wurde am 17. August 1944 in München-Stadelheim vollstreckt und Andreas Obernauer ermordet.

Biographische Notizen:

Der Österreicher Andreas Obernauer soll ab Ende der 1930er-Jahre zeitweise im Umfeld der Organisation um Robert Uhrig mitgearbeitet und nach Angaben der NS-Verfolger bis zum Jahr 1942 in Tirol „kommunistische Zellen aufgebaut oder kommunistische Bestrebungen gefördert“ haben. Obernauer war u. a. daran beteiligt, eine illegale „RHD-Organisation“ (RHD = „Rote Hilfe Deutschlands“) für verhaftete Kollegen der Deutschen Reichsbahn aufzubauen. Im Verfahren gegen ihn hielten die NS-Richter diesbezüglich folgendes fest:

„Nach dem Ergebnis der Hauptverhandlung hat der Kommunist Robert Uhrig aus Berlin seinen Aufenthalt in Tirol im Jahre 1941 dazu missbraucht, eine kommunistische Organisation, der er anscheinend in führender Stellung angehörte, auf Tirol auszudehnen. Er kam im Jahre 1941 zweimal nach Kitzbühel, das erste Mal am 31. Mai, das zweite Mal am 16. Oktober.

[…]

Der Angeklagte Andreas Obernauer ist seinem Berufe nach Reichsbahnschaffner in Innsbruck. Er ist politisch nicht vorbelastet. Während der Kampfzeit im ehemaligen Österreich war er sogar Mitglied der völkischen Gewerkschaft, verkehrte in völkischen Kreisen und betätigte sich durch Verteilung von Flugschriften für die NSDAP. Als Mitglied eines Radfahrvereins, dem nach dem nationalen Umbruch in den Alpen- und Donau Reichsgauen zahlreiche Marxisten und insbesondere auch Kommunisten beitraten, geriet er unter marxistischen Einfluss und lernte auch den bereits erwähnten Malermeister Josef Werndl kennen, der den Verein leitete und sich offen als Kommunist bekannte.

[…]

Nach diesem festgestellten Sachverhalt haben sich die Angeklagten Rausch, Adele Stürzl, Gruber, Horejs und Obernauer in führender Stellung und gefährlicher Weise für die kommunistische Partei und die ihnen eingestandenermaßen bekannten Ziele betätigt. Daran kann bei Gruber seine Verteidigung nichts ändern, dass er nur verhindern wollte, dass im Falle einer Niederlage des Reichs eine klerikale Regierung zur Macht käme. Diese Einlassung ist übrigens eine Ausflucht. Als Kommunist war Gruber sowohl gegen das nationalsozialistische Regime als auch gegen klerikale Bestrebungen eingestellt. Seine Betätigung galt der Bekämpfung beider.“

(Quelle: Urteil 6H 28/44 – 10(9)J 819/43g gegen Anton Rausch und andere, 13. 4. 1944, in: Nationalsozialismus, Holocaust, Widerstand und Exil 1933–1945. Online-Datenbank, Bl. 3–17)

Quellen:

  • Mielke/Heinz, „Eisenbahngewerkschafter im NS-Staat“