Steinfurth, Erich


Biografische Daten:

Gedenktafel, die in Erinnerung an Erich Steinfurth an seinem letzten Wohnhaus angebracht ist
Gedenktafel, die in Erinnerung an Erich Steinfurth an seinem letzten Wohnhaus angebracht ist
Name:Steinfurth, Erich
Geboren: 10. August 1896 in Mittenwalde (Mark), Kreis Teltow
Berufe:Schlosser, Lokheizer
Wohnort:zuletzt: Berlin-Treptow, Friedländer Str. 129
Bahnbeginn:nicht bekannt
Gewerkschaft:DEV, RGO
Funktionen:soll nach dem Ersten Weltkrieg ein führender Funktionär der Eisenbahnerbewegung gewesen sein
Mitglied im Betriebsrat des RAW Grunewald und Mitglied des Berliner Bezirksbetriebsrats, 1923 in dieser Funktion gemaßregelt
Partei:USPD (seit 1918); KPD (1920)
Funktionen:1923 vom ZK der KPD nach München geschickt, dort Anführer der Abwehraktionen der Münchner Eisenbahner gegen den Faschistenputsch im Herbst des Jahres, dafür mit zwei Jahren Zuchthaus bestraft
ab 1925 Leiter der „Roten Hilfe Deutschland“, Bezirk Berlin-Brandenburg
Mitglied Zentralvorstand der Roten Hilfe
Teilnehmer der 2. Internationalen Rote-Hilfe-Konferenz in Moskau
1929-1933 MdL Preußen, dort im Rechtsausschuss
aktiv als kommunistischer Versammlungsredner
Vermutlich KPD-Kandidat zum Reichstag für die Wahl vom 4.3.1933
Widerstand:beteiligte sich auch nach dem Verbot der KPD und all ihrer Vorfeldorganisationen an der nun illegalen Arbeit – weiterhin vor allem für die Rote Hilfe
Mitglied im illegalen Parteiaktiv des KZ Sonnenburg, konnte durch die Hilfe seiner Frau Else Steinfurth, Informationen über die Zustände im Lager an die illegale Parteileitung weitergeben
Verfolgung:am 25. März 1933 durch die Gestapo verhaftet, zunächst ins Strafgefängnis Plötzensee; Ende April 1933 ins KZ Sonnenburg verschleppt
Gestorben:Erich Steinfurth wurde am 1. Februar 1934 von der SS erschossen. Als Todesstelle gilt für viele der Kilometerstein 23,7 in Berlin-Wannsee.

Gedenken:

Unmittelbar nach der Ermordung der vier kommunistischen Funktionäre hat der populäre Arbeiterdichter Erich Weinert noch im Jahr 1934 aus dem Exil heraus ein Gedicht geschrieben in dem es unter anderem heißt:

„… und schleppen sie in den dunklen Wald.
Und zwölf Mal knallt es und widerhallt.
Da liegen sie mit erloschenem Blick,
jeder drei Nahschüsse im Genick,
John Schehr und Genossen…“

Auszug Gedicht Erich Weinert
Gedenkstelen in Erinnerung an die im Februar 1934 gemeinsam ermordeten Widerstandskämpfer, darunter Erich Steinfurth
Gedenkstelen in Erinnerung an die im Februar 1934 gemeinsam ermordeten Widerstandskämpfer, darunter Erich Steinfurth

Nach 1945 wurden die sterblichen Überreste Steinfurths umgebettet und in der Gedenkstätte der Sozialisten beigesetzt. Seine Grabstelle befindet sich an der Ringmauer der 1951 eingeweihten Gedenkstätte.

Am sogenannten Kilometerberg an der Berliner Havelchausee nach Potsdam ist in den 1980er Jahren durch die VVN/BdA eine Gedenkstele zu Ehren der hier hinterrücks Erschossenen aufgestellt worden.

Am einstigen Wohnsitz von Erich Steinfurth, in der Friedlander Straße 129 in Berlin-Adlershof wurde ihm zu Ehren eine Gedenktafel angebracht.

Auf dem Gelände des einstigen Reichsbahnausbesserungswerkes Berlin Grunewald wurde schon in den 1950er Jahren ein Gedenkstein aufgestellt. Auf diesem wurde neben Erich Steinfurth auch Fritz Schönherr, einem 1952 von Unbekannten ermordeten Kollegen, und Ernst Kamieth gedacht, der im November 1951 bei einem illegalen Polizeieinsatz auf dem Bahngelände des Potsdamer Bahnhofs in Berlin erschlagen wurde. Zu Beginn der 1990er Jahre wurde der Stein von Unbekannten „entsorgt“, jedoch später durch aufmerksame Potsdamer Bürger auf einer Müllkippe entdeckt und gerettet. Die Bronzeplatte des Gedenksteins ist nunmehr im Besitz der Berliner VVN/BdA.

Die Eisenbahngewerkschafter der GdED ehrten Erich Steinfurth, indem sie ihn auf der Gedenktafel verewigten, die am 9. Mai 1983 für während der NS-Zeit ermordete EIsenbahngewerkschafter in der damaligen Zentrale in Frankfurt (Main) eingeweiht wurde.

Noch heute trägt eine Straße am Berliner Ostbahnhof den Namen Erich Steinfurths.

Biographie:

Erich Steinfurth wurde als Sohn einer Arbeiterfamilie geboren. Er wurde 1914 zum Militärdienst eingezogen, zwei Jahre später vor Verdun schwer verwundet und nach notdürftiger Ausheilung zurück an die Front geschickt. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges war er als Schlosser im damaligen Reichsbahnausbesserungswerk Berlin-Grunewald tätig. Dort wurde er von seinen Kollegen auch zum Betriebsrat gewählt. Nachdem er 1923 von der Reichsbahn gemaßregelt wurde, ging er nach München und beteiligte sich dort an politischen Aktionen der Münchener Eisenbahner. Dort dürfte er vermutlich Kontakte zu den Eisenbahnern Franz Stenzer und Hans Beimler bekommen haben. In München trat er gemeinsam mit anderen Eisenbahnern gegen den Hitler-Ludendorf-Putsch vom 9. November 1923 auf, dem berüchtigten Marsch auf die Feldherrenhalle. Wegen seiner Teilnahme an den Aktionen in München wurde er verhaftet und zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt.

Danach kam er wieder nach Berlin zurück und arbeitete hier hauptberuflich als führender Funktionär in der RHD, „Rote Hilfe Deutschland“, einer Solidaritätsorganisation für durch die politischen Verhältnisse in Not geratene Arbeiter. 1929 rückte er als Nachfolger auf der Liste der KPD in den Preußischen Landtag ein, dem er bis zu seiner Verhaftung im März 1933 angehörte.

Am 23. März 1933 wurde Steinfurth, der einer von den Nazis am meisten gesuchten Gegner war, verhaftet und in das Gefängnis in Berlin-Plötzensee verschleppt. Hier wurde er schwer misshandelt und gefoltert und anschließend in das KZ Sonnenburg verlegt, von wo ihm die Übermittlung von Informationen über die dortigen Zustände an die KPD gelang. Der Kontakt zwischen dem KZ und der illegalen KPD-Führung soll über seine Frau Else Steinfurth hergestellt worden sein, die später für ihren Mann in Geiselhaft genommen wurde, letztendlich jedoch nach Frankreich und Moskau emigrieren konnte.

Am 1. Februar 1934 wurde Erich Steinfurth durch die SS aus der Haft geholt und gemeinsam mit John Schehr, Eugen Schönhaar und Rudolf Schwarz am Kilometerberg bei Potsdam aus Rache „auf der Flucht“ erschossen. Der Hintergrund hierfür war die Erschießung eines Alfred Kattner durch den geheimen militärischen Apparat der KPD. Kattner war seinerseits einst ein enger Vertrauter des KPD-Vorsitzenden Ernst Thälmann, wurde am 3. März 1933 verhaftet und zu einem Gestapospitzel „umgedreht“. In der Folge verriet er zahlreiche einstige Weggefährten an die Gestapo. Für die Ermordung der vier KPD-Funktionäre war Bruno Sattler verantwortlich, der in den Folgejahren unter der Herrschaft des Naziregimes in der Folge noch eine Reihe weiter unmenschlicher Taten beging. Seine heute noch in Berlin lebende Tochter Beate Niemann hat sich in einem Buch „Mein guter Vater“ sehr intensiv mit dem Leben ihres mörderischen Vaters, der 1972 in einer Strafanstalt in Leipzig auf nicht geklärte Weise ums Leben kam, auseinandergesetzt.

Quellen:

  • Mielke/Heinz „Eisenbahngewerkschafter im NS-Staat – Verfolgung, Widerstand, Emigration 1933-1945“
  • Gottwald, Alfred, „Eisenbahner gegen Hitler“
  • Niemann, Beate: „Mein guter Vater“