Lüdke, Alfons


Biografische Daten:

Name:Lüdke, Alfons
Geboren: 25.Mai 1901 in Dyck (heute: Dzikowo (Wałcz), Polen)
Beruf:Maschinenschlosser
Wohnorte:Schneidemühl, Berlin, Düsseldorf
zuletzt: Braunau (heute: Broumov, CSR)
Bahnbeginn:1915
Gewerkschaft:DEV / EdED (ab 1917), DMV (ca. 1928)
Funktion:keine bekannt
Partei:KPD (ab Januar 1932)
Funktion:Stadtteilkassierer Düsseldorf-Eller
Widerstand:zunächst bis Oktober 1934 teils führender Funktionär des UB Düsseldorf der illegalen KPD; Flucht über Holland nach Moskau; ab März 1936 im Auftrag des ZK der illegalen KPD Leiter des Grenzabschnitts „5“ bei Braunau und erneut äußerst umfangreiche illegale Arbeit
Verfolgung:am 15. Juni 1938 vorläufig festgenommen, seit dem 18. August 1938 in Untersuchungshaft im Untersuchungsgefängnis in Breslau (heute: Wrocław, Polen); am 24. April 1939 Verhandlung vor dem 2. Senat des „Volksgerichtshofes“ in Bresalu, der ihn am darauffolgenden Tag wegen „Vorbereitung zum Hochverrat und Landesverrat“ zum Tode sowie zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf Lebenszeit verurteilte
Gestorben:Das Urteil wurde noch im Jahr 1939 vollstreckt und Alfons Lüdke ermordet.
weitere Infos:ledig; Vater Eisenbahnarbeiter, fünf Geschwister; katholische Volksschule in Schneidemühl; Ausbildung als Maschinenschlosser im dortigen RAW; Dezember 1918 freiwilliger Beitritt Eisenbahnerbataillon Schneidemühl bis Auflösung Frühjahr 1919; anschließend bis 1924 RAW Schneidemühl; 1924 entlassen bis 1926 Arbeit in Berlin, dann Rückkehr und erneut RAW bis 1928; ging dann nach Düsseldorf und arbeitete in Maschinenfabriken; Ende 1929 entlassen, eröffnete er 1930 zusammen mit seinen beiden Brüdern Albin und Alex eine Hühnerfarm, die sie bis Herbst 1931 betrieben; blieb dann bis 1934 erwerbslos; Brüder ebenfalls KPD-Mitglieder und später illegal tätig, Albin Lüdke wegen Vorbereitung zum Hochverrat verurteilt

Biographische Notizen:

Direkt nach der Machtübernahme und dem Verbot der KPD beschränkte sich Lüdkes Widerstand zunächst auf das gelegentliche Lesen verbotener Zeitungen. Im August/September 1933 kam er mit dem Unterbezirksleiter der illegalen KPD in Düsseldorf in Kontakt, der ihn für die Mitarbeit gewinnen konnte. Bis zu seiner im Herbst 1934 erfolgten Emigration nach Holland fungierte Alfons Lüdke fortan unter dem Decknamen „Max“ äußerst aktiv als Org.-Leiter, Kassier und eine Zeitlang auch als Techniker des UB Düsseldorf.Den Ermittlungen der Gestapo zufolge soll er in dieser Zeit außerdem über Kontakte zum AM-Apparat verfügt haben. Lüdke warsowohl in die Kassierung der illegalen Parteibeiträge und Spenden für die Rote Hilfe involviert, organisierte die Verteilung illegalen, zumeist aus Holland bezogenen Materials und zeichnete sich ab Frühjahr 1934 sogar für die Herstellung eigener illegaler Schriften, insbesondere der beiden Zeitungen „Freiheit“ und „Revolutionär“ sowie für unterschiedliche Flugblätter, verantwortlich. Folgt man den Angaben der NS-Ermittler, erreichten die Flugblätter Auflagen in Höhe von 100.000 Stück.

Im August 1934 führten die NS-Ermittler eine große Verhaftungsaktion durch, von der jedoch sowohl der technische- als auch der AM-Apparat des UB Düsseldorf und der Bezirksleitung Niederrhein nahezu unberührt blieben, so dass Alfons Lüdke seine Arbeit noch bis Oktober 1934 weiterführen und auch die Verbindungen zur dann neu eingerichteten illegalen KPD-Unterbezirksleitung herstellen konnte. Am 1. Oktober 1934 brachte ihn die holländische Leitung der illegalen KPD mithilfe eines Kuriers bei Aachen über die Grenze, von wo aus er nach Russland beordert wurde. Dort hielt er sich von Oktober 1934 bis März 1936 auf, besuchte u. a. die Militärische Schule bei Moskau.

Anschließend schickte ihn das ZK der illegalen KPD nach Prag und von dort an die deutschtschechische Grenze nach Braunau, um unter dem Decknamen „Adolf“ als Leiter des dortigen Grenzabschnitts Nummer 5 zu fungieren. Alfons Lüdke war für das Gebiet Mittelschlesien, vor allem die Waldenburger und Neuroder Industriebezirke, sowie für Breslau verantwortlich. Zu seinen Aufgaben zählten sowohl die politische als auch die organisatorische Leitung der illegalen Arbeit, die Koordination der Spenden- sowie Beitragskassierung und der Versorgung mit illegalen Materialien. Er hielt die ganze Zeit über die Verbindung zur illegalen Parteileitung in Prag aufrecht und leitete regelmäßig Berichte mit Informationen über Betriebe, die allgemeine wirtschaftliche Lage sowie etwaige Kriegsvorbereitungen, die seine Verbindungsleute im Deutschen Reich gesammelt hatten, nach dort weiter.

Letztendlich soll sich Alfons Lüdke auch in nicht geringem Umfang an der illegalen Arbeit des AM-Apparates beteiligt, Zersetzungsarbeit angeleitet und sogar selbst Sabotageaufträge – insbesondere in Rüstungsbetrieben sowie der Lebensmittelversorgung – ausgegeben haben. Zu Kontrollzwecken beschloss die illegale Prager Parteileitung Lüdke nach Breslau und Umgebung zu schicken, um dort die illegale Parteiarbeit weiter voranzubringen; er überschritt die „Grüne Grenze“ in der Nacht vom 11. zum 12. Juni 1938 und hielt in den folgenden Tagen zahlreiche Treffen mit illegalen Funktionären von KPD, SPD und SAP ab. Im Anschluss an eine längere Sitzung mit einem Vertrauensmann in Niedersalzbrunn gelang es der Gestapo Alfons Lüdke festzunehmen.

Quellen:

  • Anklage 9J 351/38g und Urteil 2H 92/38 – 9J 351/38g, beide in: Nationalsozialismus, Holocaust, Widerstand und Exil 1933-1945. Online-Datenbank, 21.01.2019
  • Widerstandskartei im Bundesarchiv