Passbild von Josef Ludwig, aufgenommen zwischen 1942 und 1944

Ludwig, Josef


Biografische Daten:

Name:Ludwig, Josef Johann
Geboren:8. März 1889 Limburg (Lahn)
Berufe:gelernter Klempner/Spengler, Schlosser, Vertreter
Wohnort:zuletzt: Grabenstraße 21 in Limburg (Lahn)
Bahnbeginn:30.11.1918
Gewerkschaft:DMV 8.4.1907 – 1.1.1909
DEV / EdED ab 28.1.1919
Funktionen:kurz nach dem Beitritt Übernahme der Funktion des Kassierers, ab 1924 Vorsitzender des Ortsverbandes
ab 1922 Betriebsratsmitglied, ab 1924 Betriebsratsvorsitzender im BW Limburg
ADGB-Kreisvorsitzender in Limburg (Lahn)
Partei:SPD (ab 1919)
Funktionen:1919 erfolglose Kanidatur für die Stadtverordnetenversammlung (SVV) Limburg (Lahn)
1924 – 1933 Mitglied der SVV in Limburg (Lahn), zeitweise Vorsitzender der SPD-Fraktion, 1926 Vorsitzender der SVV
1927 bis Anfang 1932 Erster Vorsitzender der SPD in Limburg (Lahn)
1929 Wahl zum Mitglied des Kreistages
Widerstand:regelmäßige Treffen, getarnt als Spaziergänge oder Gaststättenbesuche, mit einstigen SPD- und Gewerkschaftskollegen, u. a. mit Karl Bebber (EdED-Funktionär aus Gießen), Ernst Menne (EdED-Bezirksleiter), Heinrich Wallrabenstein und Hans Wolf (beides SPD-Funktionäre aus Limburg)
Verfolgung:wegen seiner „politischen Gesinnung“ durch die NSBO zum 1. Juli 1933 beurlaubt und am 7. September 1933 auf Grundlage des „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ entlassen
am 28. August 1940 gegen 18 Uhr Festnahme in seiner Wohnung; neun Tage später Einlieferung als Untersuchungshäftling in das Gerichtsgefängnis Frankfurt (Main); Anklage, von 1933 bis 1939 an illegalen Treffen von SPD-Funktionären teilgenommen zu haben (u. a. in der Wohnung von H. Wallrabenstein sowie in der Wirtschaft „Lahneck“ in Limburg); Urteil durch OLG Kassel am 9. Januar 1941 wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“: ein Jahr und sechs Monate Gefängnis; Haftzeit in Frankfurt-Preungesheim; nach Verbüßung der Strafe am 9.7.1942 an Gestapo übergeben;
Zweite Festnahme im Zuge der „Aktion Gewitter“ nach dem gescheiterten Hitlerattentat am 21.8.1944; zunächst Inhaftierung im Gefängnis Limburg (Lahn), später Überführung nach Frankfurt (Main); am 16. September 1944 in das KZ Dachau verschleppt, unter Nummer 108228 registriert und in den Block 29/1 gesperrt
Gestorben:Josef Ludwig starb nur wenige Wochen vor der Befreiung des KZ Dachau, am 2. April 1945. Auf dem Totenschein ist auf Angabe des Gestapo-Beamten „Fleckfieber“ als Todesursache vermerkt.
weitere Infos:Vater: Johannes Ludwig, Tagelöhner/Bahnarbeiter; Mutter: Anna Maria Ludwig, geb. Rohrmann; Ehefrau Katharina Ludwig, geb. Heibel, Hochzeit 1917; Kinder: Katharina Magdalena (24.5.1918 – 1975), Karl Josef (10.1.1920 – unbekannt), Johann Josef (2.3.1921 – 17.10.1921), Anton Heinrich (7.1.1926 – 31.1.1996); Lehre als Klempner/Spengler in Okriftel; 4.10.1911 bis November 1918 bei der Marine, seit 1.1.1913 als Oberheizer, 1.10.1917 Beförderung zum Maschinisten-Maat; EK II für Teilnahme in Seeschlacht am Skagerak; während Ruhrbesetzung mehrfach illegaler Grenzübertritt, um die Gehälter für die im besetzten Gebiet arbeitenden Eisenbahner von Gießen nach Limburg zu schmuggeln

Gedenken:

Bereits am 1. August 1946 wurde in seiner Heimatstadt Limburg (Lahn) eine Straße nach dem Widerstandskämpfer benannt.

Vor seinem letzten freiwilligen Wohnsitz, in der Limburger Grabenstraße 21, wurde am 5. November 2013 ein Stolperstein für Josef Ludwig verlegt.

Darüber hinaus ist sein Name auf der Ehrentafel verewigt, die die GdED am 9. Mai 1983 im Gedenken an die während der NS-Zeit ermordeten Eisenbahngewerkschafter in ihrer damaligen Zentrale in Frankfurt (Main) einweihte.


Quellen:

  • Archiv der Gedenkstätte Dachau
  • Archiv der sozialen Demokratie der Friedrich–Ebert–Stiftung, Erschlagen, hingerichtet, in den Tod getrieben, Bonn 1995, S. 54
  • Auskünfte und Bilder aus dem Privatarchiv der Enkelin Stephanie Stiefler
  • Beier, Gerhard: Illegale Reichsleitung S. 75 & 114
  • HHStAW, Datenbank „Verfolgung und Widerstand in Hessen“, Ident-Nr.: 0025623
  • Schmidt, Frank, Josef Ludwig (1889 – 1945), in: Jahrbuch für den Kreis Limburg-Weilburg 1995, S. 131-136
  • Stadtarchiv Limburg (Lahn) (auch Bildquelle Straßenschild und Stolperstein)
  • Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (Hrsg.), Der Freiheit verpflichtet. Gedenkbuch der deutschen Sozialdemokratie im 20. Jahrhundert. Konzeption und Redaktion Christl Wickert, Marburg 2000, S. 212 f.