Löhr, Adam


Biografische Daten:

Name:Löhr, Adam
Geboren:12. September 1889 in Heiligenwald/Neunkirchen
Berufe:Rottenarbeiter, Eisenbahnangestellter, später Vertreter
Wohnort:Saarland
Bahnbeginn:1909
Gewerkschaft:DEV / EdED; Verband der Eisenbahner des Saarlandes (RGO)
Funktionen:Vertrauensmann des EdED in der Eisenbahndirektion im Raum Neunkirchen
1931–1932 Vertrauensmann des Verbandes der Eisenbahner für das Saarland und der Revolutionären Gewerkschafts-Opposition, der Eisenbahndirektion im Raum Neunkirchen
Partei:USPD, ab 1920 KPD
Funktionen:Mitgründer der KPD-Ortsgruppe Heiligenwald und dort bis 1935 Mitglied im Gemeinderat
fungierte außerdem als Schöffe im Amtsgericht Ottweiler
war als Ringer in einem Arbeitersportverband aktiv.
Widerstand:beteiligte sich auch nach dem Verbot der kommunistischen Organisationen 1933 noch an geheimen Treffen derselben; gehörte bis 1935 zu den äußerst engagierten Kämpfern gegen die Rückgliederung des Saarlandes in das Deutsche Reich und flüchtete nach der niederschmetternden Volksabstimmung vorübergehend ins französische Forbach; beteiligte sich an Solidaritätssammlungen für die illegale KPD bzw. für verfolgte Funktionäre derselben
Verfolgung:wegen Teilnahme an einer verbotenen Versammlung im August 1933 erstmalig verhaftet und zu sechs Wochen Haft verurteilt
am 24. September 1936 im Rahmen einer allgemeinen Aktion gegen die illegale KPD abermals festgenommen, Haft im Saarbrücker Lerchesflur-Gefängnis; Heiligabend 1936 in das Außenlager Lichterfelde des KZ Sachsenhausen verschleppt, Häftlingsnummer 1024 im Block 15
Gestorben:Adam Löhr starb am 22. Januar 1938 im Außenlager Lichterfelde des KZ Sachsenhausen an den Folgen eines Blutsturzes.

Biographie:

Adam Löhr wuchs als Sohn einer katholischen Bergmannsfamilie auf. Welchen Beruf er erlernte ist nicht bekannt. Im Alter von 20 Jahren begann er 1909 als Rottenarbeiter bei der Eisenbahn. Zwei Jahre später heiratete er. Aus der Ehe ging eine Tochter hervor. Als der Erste Weltkrieg ausbrach, wurde auch Löhr in denselben hineingezogen und schwer verwundet. Nach Kriegsende begann er, auch auf Grund seiner furchtbaren Kriegserfahrungen, sich zu politisieren. Er trat der freien Eisenbahner-Gewerkschaft und der KPD bei. Parallel begann er sich beruflich fortzuentwickeln – zuletzt war er in einer höheren Position beim Abfertigungsdienst des Bahnhofs Rehden beschäftigt. Allerdings führten seine politischen Erfolge dazu, dass er bereits im Dezember 1932 durch die Reichsbahnverwaltung gemaßregelt und entlassen wurde. Fortan betätigte er sich als Vertreter.

Dennoch blieb Löhr politisch aktiv, engagierte sich vor allem im Zuge der sogenannten Saarabstimmung und war auch als Beisitzer am Abstimmungstag eingesetzt. Aufgrund seins vehementen Auftretens für eine Beibehaltung des „Status Quo“, floh er nach Bekanntgabe des Abstimmungsergebnisses zunächst ins französische Forbach. Da ihn seine Frau jedoch nicht begleiten wollte, kehrte er wenig später zurück und gab offiziell seinen Rückzug aus dem politischen Leben bekannt.

Dass er sich neben der regelmäßigen Zahlung von Spenden für verfolgte Genossen und deren Familien insgeheim dennoch weiterhin aktiv im Widerstand engagierte, ließ sich bisher nicht belegen. Allerdings weisen die Umstände seiner am 24. September 1936 erfolgten Verhaftung darauf hin. Schließlich nahm ihn die Gestapo im Zuge ihrer Ermittlungen gegen eine örtliche Gruppe der illegalen KPD fest, nachdem Mitglieder derselben zwischen den beiden Ortschaften Merchweiler und Heiligenwald eine Rote Fahne gehisst hatten.

Nach einer dreimonatigen „Schutz-“ und Untersuchungshaft im Saarbrücker Lerchesflur-Gefängnis verschleppten die Nationalsozialisten Löhr in die Lichterfelder Außenstelle des KZ Sachsenhausen, wo sie ihn als Zwangsarbeiter – vermutlich auf Berliner Baustellen sowie an Arbeitsstellen der SS – einsetzten. Seine Haft dauerte weiter an, nachdem das eigentliche Verfahren gegen ihn aus Mangel an Beweisen eingestellt worden war.

Löhr verstarb am 22. Januar 1938 im Lichterfelder Außenlager in der Wismarer Straße 26-36 – angeblich an den Folgen eines Blutsturzes. Die Reaktionen auf seinen Tod stellt das Online-Lexikon Wikipedia wie folgt dar: „Adam Löhr wurde von der Exilpresse als Märtyrer gefeiert. Im Saarland dagegen wurde sein Tod vor allem als lähmend für den innerdeutschen Widerstand aufgenommen. Am 1. Mai 1938 schmuggelten Widerstandsgruppen aus Lothringen ein Flugblatt mit einem Porträt Löhrs nach Deutschland.“

Quellen:

  • Widerstandskartei im Bundesarchiv
  • Jan Christoph Lamontain, Löhr, Adam (1889-1938), in: Siegfried Mielke (Hrsg.), Gewerkschafter in den Konzentrationslagern Oranienburg und Sachsenhausen, Bd. 3, S. 429 f.