Passfoto von Hans Beimler, aufgenommen Juli 1933 in Moskau

Beimler, Hans


Biografische Daten

Passfoto von Hans Beimler, aufgenommen Juli 1933 in Moskau
Passfoto von Hans Beimler, aufgenommen Juli 1933 in Moskau
Name:Beimler, Hans, eigentlich Johannes Baptist
Geboren:2. Juli 1895 in München
Beruf:Schlosser
Wohnort:nicht bekannt
Bahnbeginn:Lokomotivfabrik Krauss-München-Sendling
ab 1923 Bahnbetriebswerk München
Gewerkschaft:von 1913 bis 1928 DMV, ausgeschlossen, danach vermutlich RGO
Funktionen:Mitglied Arbeiter- und Soldatenrat in Cuxhaven
Betriebsrat im BW München
ab 1925 Gewerkschaftssekretär der Bezirksleitung Südbayern der KPD
Partei:Spartakusbund, ab 1919 KPD
Funktionen:Leiter des Spartakusbundes in Cuxhaven
in der KPD-Bezirksleitung Südbayern ab 1925 für die Gewerkschaftsarbeit zuständig
Teilnehmer an den Kämpfen der Bayerischen Räterepublik
Mitglied im Stadtrat von Augsburg (1929 bis August 1932), des Bayrischen Landtags (April bis 31. Juli 1932) und des Reichstags (ab 1. August 1932)
Widerstand:unmittelbar nach der Machtübertragung an Hitler Rückzug in den Untergrund; am 7. Februar 1933 Teilnehmer der illegalen Tagung der Führungskräfte der KPD im Sporthaus Ziegenhals; bis zur Festnahme aktive Beteiligung an der illegalen Arbeit seiner Partei; Flucht aus dem KZ Dachau; Fortsetzung der illegalen Arbeit in der Emigration, zuletzt als politischer Kommissar des „Thälmann-Bataillons“ der Internationalen Brigaden im Spanischen Bürgerkrieg
Verfolgung:Festnahme am 11. April 1933, schwere Folterungen im Münchner Polizeipräsidium, anschließend KZ Dachau bis Flucht am 8. Mai 1933
Gestorben:Hans Beimler starb während des Spanischen Bürgerkriegs am 1. Dezember 1936 bei Kampfhandlungen vor Madrid.
weitere Infos:zweifach verheiratet; erste Frau unbekannt, zweite Frau: Centa (Crescentia) Beimler, verstorben am 19. August 2000, während der NS-Zeit wiederholt verhaftet, im April 1933 in das KZ Mohringen deportiert, 1942 erneut verhaftet und zu eineinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt
zwei Kinder: Tochter Rosi, verstorben 1999 und Sohn: Johann; beide von NS-Beamten in „Gewahrsam“ genommen und in ein Kinderheim zur „Umerziehung“ verschleppt; von dort erfolgreiche Flucht ins sichere Ausland; Enkelsohn Hans Anthony, arbeitete als Filmemacher in Mexiko; eng befreundet mit Franz Stenzer – beide Ehefrauen blieben auch nach dem Tod ihrer Männer in Verbindung

Gedenken:

Hans Beimler wurde an seinem 1. Todestag mit der spanischen Staatsbürgerschaft geehrt. Die DDR ehrte ihn u. a. mit einer Sonderbriefmarke, benannte den Lokomotivbaubetrieb in Hennigsdorf nach ihm und stiftete 1956 eine Hans-Beimler-Medaille. Darüber hinaus wurden bis 1990 zahlreiche Straßen, Gruppen und Objekte nach Beimler benannt, von denen in den ostdeutschen Bundesländern heute noch einige existieren, die meisten jedoch – wie die Berliner Otto-Braun-Straße – inzwischen umbenannt sind. In Chemnitz gibt es noch heute das Hans-Beimler-Gebiet, eine Plattenbausiedlung im Stadtteil Gablenz. Auch in Westdeutschland tragen Straßen in Augsburg und München den Namen des Spanienkämpfers.

Vor dem Berliner Reichstag befindet sich ein Mahnmal, welches an alle ehemaligen Reichstags-Abgeordneten erinnert, die die Nationalsozialisten ermordeten. Hans Beimler wurde jedoch, im Gegensatz zu seinem einstigen Reichsbahn-Kollegen und engsten Freund Franz Stenzer, die Aufnahme in das Mahnmal bislang verweigert.

Biographie:

Johannes Baptist Beimler wurde am 2. Juli 1895 in München geboren, besuchte die Volksschule und absolvierte eine Schlosserlehre. Nach seinem Kriegsdienst, den er von 1914 bis 1918 als Marinesoldat auf einem Minensuchboot ableistete, beteiligte er sich 1918 an den Revolutionskämpfen in Cuxhaven und 1919 an den Auseinandersetzungen um die Münchener Räterepublik. In den zwanziger Jahren mehrmals wegen „politischer Betätigung für die KPD“ angeklagt und u. a. 1921 zu zwei Jahren Festungshaft verurteilt, stieg er rasch in der bayerischen KPD auf, bis er 1932 zunächst in den Landtag, dann in den Reichstag gewählt wurde.

Im April 1933 nahm ihn die Gestapo fest und verschleppte ihn in das Konzentrationslager Dachau, wo sie ihn schwer misshandelte. Beimler gelang es nach wenigen Wochen, unter großen Anstrengungen zu fliehen – zunächst in die Schweiz, später von dort über die CSR in die Sowjetunion. Noch im Jahr 1933 erschien in Moskau und London sein Buch „Im Mörderlager Dachau“, einer der ersten Erfahrungsberichte über den Terror in den NS-Konzentrationslagern. Auch seine Frau und seine Schwester wurden daraufhin inhaftiert.

Hans Beimler selbst arbeitete 1934 für die Exil-KPD in Prag und leitete ab 1935 von Zürich aus die „Rote Hilfe für das illegale Deutschland“. Mehrfach geriet er in Konflikte mit der starren Parteibürokratie. Im Sommer 1936 schickte ihn die KPD bei Ausbruch des Bürgerkrieges nach Spanien. Dort baute Beimler die deutsche „Centuria Thälmann“ auf, die bald zum Kern des Thälmann-Bataillons der Internationalen Brigaden wurde. Bei einem der ersten Einsätze des Bataillons bei Madrid wurde Hans Beimler am 1. Dezember 1936 von einer Kugel tödlich getroffen und unter großer öffentlicher Anteilnahme feierlich in Barcelona beigesetzt.

Quellen:

  • Beimler, Hans: „Im Mörderlager Dachau“
  • Alfred Gottwaldt, Eisenbahner gegen Hitler. Widerstand und Verfolgung bei der Reichsbahn 1933 – 1945
  • www.etg-ziegenhals.de/Hans_Beimler.html
  • Bildquelle: Archiv der KZ Gedenkstätte Dachau, Signatur: DaA F 1437, 31965