Passbild Franz Apitzsch

Apitzsch, Franz


Passbild Franz Apitzsch, um 1946

Biografische Daten:

Name:Apitzsch, Franz Hermann Ferdinand
Geboren:24. Januar 1890 in Eisdorf im Harz
Berufe:bis 1933:
gelernter Schlosser und Schmied, Prüfer, Lokschlosser, Gewerkschaftssekretär
nach 1933:
1935 bis Oktober 1937 Inhaber eines Fuhrbetriebs
anschließend bis 1. Mai 1938 Dreher bei Firma „Holland“ in der Möckernstraße
ab Juni 1938 Revisor bei „Deutsche Werke“ Berlin Spandau
ab 1941/42 Betriebsleiter
Wohnorte:Magdeburg
Berlin-Charlottenburg, Stendelenweg 54 (Ende 1932)
Berlin W 62, Keithstr. 18 (Mitte bis Ende der 1930er)
aus Berlin am 1.7.1941 ausgewiesen
Buch-Hohenfels, Haus Nr. 37, Landkreis Waldshut (Zuzug 5.7.1941)
Bahnbeginn:1918
Gewerkschaft:DMV (ab 1908/09), DEV / EdED (ab 1918)
Funktionen:1918/19 Mitglied des Arbeiterrates der Stadt Magdeburg
Februar 1919 bis September 1920 Vorsitzender des Betriebsrates des RAW Magdeburg-Buckau und des Bezirks-Betriebsrates der Reichsbahndirektion Magdeburg
Mai 1919 Wahl zum „unbesoldeten Vorstand“ im DEV
seit 1. Oktober 1920 Vorstandssekretär des DEV, u. a. Leiter der Tarif- und Rechtsabteilung sowie Verhandlungsführer bei Tarifverhandlungen
1926 bis 1933 Mitglied des Vorstandes des EdED
1927 Mitglied im Gedingeausschuss des EdED
Mitglied des Lohnpolitischen Ausschusses im ADGB
1928-1933 ehrenamtliches Mitglied des Reichsarbeitsgerichtes
Partei:SPD (seit 1913)
Funktion:keine bekannt
Widerstand:Franz Apitzsch leitete zusammen mit Lorenz Breunig eine eigene gewerkschaftliche Widerstandsgruppe in Berlin an.
Verfolgung:Erste Inhaftierung am 1./2. Mai 1938 nach Auffliegen einer illegalen Maifeier mit Kollegen im Süden Berlins
zweite Festnahme bei Kriegsausbruch im Zuge der „A-Kartei-Aktion“, Verschleppung ins KZ Sachsenhausen, belegte Haftzeit 2.9.1939-31.10.1939 sowie 12.3.1940-18.6.1941; zunächst Schutzhäftling Nr. 1601 im Block 2, im Oktober auf Anweisung der politischen Abteilung zu Verhören ins Hausgefängnis der Gestapo nach Berlin überführt; Rückführung als Schutzhäftling Nr. 16911, eingeliefert im Block 2 am 12.03.1940; Entlassung aus der Haft am 18.06.1941 aus Block 5
in Folge der „Aktion Gewitter“ anlässlich des gescheiterten Hitlerattentats erfolgte vom 12.8.1944 bis 11.9.1944 die dritte Inhaftierung im KZ Dachau (Block 15, schwer erkrankt); während KZ-Haft u. a. Einsatz als Lagerhandwerker im Arbeitskommando Ofensetzer
Gestorben:Franz Apitzsch starb am 30. Dezember 1948 während eines Kuraufenthalts im badischen Schweigmatt an den Haftfolgen.
weitere Infos:„gottgläubig“; Vater Hermann Apitzsch, Bergarbeiter; 8 Jahre Volksschule in Eisleben; Wehrdienst ab 1910, zwei Jahre als Fußartillerist in Magdeburg; Teilnahme am 1. Weltkrieg ab Kriegsausbruch bis November 1916 (reklamiert durch Firma Krupp); seit 15. Februar 1913 verheiratet mit Berta Apitzsch, geb. Pieper, geb. 20.5.1891 in Schwanebeck (Kreis Ackersleben), Hausfrau; Tochter Gertrud Apitzsch, geb. 31.3.1913 in Magdeburg, später verheiratete Gerrecke, 1949 wohnhaft Bamberg, Eisgrube 20

Biographie:

Franz Hermann Ferdinand Apitzsch, geboren am 24. Januar 1890 in Eisdorf im Harz (Mansfelderseekreis), machte eine Ausbildung zum Schlosser und Schmied, trat 1908 dem DMV bei und arbeitete nach dem Wehrdienst bei der Firma Krupp. Von dort kam er 1918 zur Eisenbahn, wo ihn die Kollegen in den Arbeiter- und Soldatenrat wählten. Am 1. Oktober 1920 wurde er zum Vorstandssekretär im DEV berufen, übernahm dort und auch im ADGB verschiedene Funktionen, leitete beispielsweise Tarifverhandlungen und engagierte sich von 1928 bis 1933 als ehrenamtliches Mitglied des Reichsarbeitsgerichtes. Seit 1913 gehörte Apitzsch der SPD an. Ob er auch dort Funktionen übernahm, ist nicht bekannt.

Franz Apitzsch führte nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten zahlreiche Arbeitsgerichtsprozesse in Berlin für ehemalige, entlassene Kollegen. Bekannt sind Vertretungen für Hermann Richter, Wilhelm Wübbenhorst, Georg Bräunlein, Arend Braye, Johann Brügmann, Ella Brühl, Gustav Buttgereit, Wilhelm Eller, Paul Haltenhof, August Baum, Johann Büttner, Bonifaz Frank, Karl Schmidt, Fritz Buchwald, Friedrich Klaws, Jakob Grasser, Dorothea Hartmann sowie die drei weiteren weiblichen Verwaltungsangestellten Haber, Nowack und Lauer sowie für Walter Oelkers.

Nach Aussage von Max Hanf leitete Apitzsch (mindestens) 1933 illegale Treffen in Berlin. Hans Jahn gab außerdem an, dass er in Berlin zusammen mit Apitzsch in der illegalen Reichsleitung der Gewerkschaften wirkte, die denselben beauftragte, gemeinsam mit Erich Bührig einen Entwurf für ein neues Arbeitsgesetz auszuarbeiten. Diese Arbeit musste er später (ab Frühjahr/Mitte 1934) wohl liegen lassen, da sich beide „im steigenden Masse der Durchführung von Gehaltsklagen vor dem Arbeitsgericht Berlin [widmeten].“ Folgt man den Angaben von Frieda Jahn soll Apitzsch auch vom (ursprünglichen) Transfer des Verbandsvermögens nach Kopenhagen gewusst haben. Sie gab außerdem an, dass auch Apitzsch bei der ITF war, um Kontakte aufzunehmen, dies aber von Fimmen abgelehnt wurde.

Aus Überwachungsberichten der Gestapo geht hervor, dass sie Apitzsch im Februar 1939 wegen einer Reise nach Kopenhagen überwachte. Er traf sich dort u. a. mit dem ehemaligen Justitiar des EdED Erich Jacoby, der als sein Verbindungsmann zur internationalen Gewerkschaftsbewegung fungierte. Gegebenenfalls nahm er während seines Aufenthalts in Dänemark auch an einer weiteren Reise zu schwedischen Kollegen teil. Apitzsch kehrte am 25. Februar 1939 von seiner Reise zurück. Die Gestapobeamten, die ihn bei seiner Rückkehr kurzzeitig festsetzten, hielten in ihrem Bericht fest: „Die Durchsuchung seiner Person unter dem Deckmantel der Devisenkontrolle hat Belastendes nicht erbracht.“ Allerdings ergaben in der Folge eingeleitete weitere Überprüfungen, dass Apitzsch auch in den Jahren 1933 bis 1937 ein- bis zweimal pro Jahr nach Dänemark gereist war.

Aus seiner Entschädigungsakte geht hervor, dass er eine eigene Widerstandsgruppe leitete. Seine drei ehemaligen Kollegen aus Berlin, Haberland, Neuendorf und Bonatzy, bestätigten in einer gemeinsamen Erklärung, dass Apitzsch neben der Vertretung etlicher Kollegen vor dem Arbeitsgericht, die er auch trotz mehrfacher Haftandrohung weitergeführt hatte, eine eigene Gruppe leitete: „Durch ihn gelangten wir in den Besitz illegaler Flugblätter und Zeitschriften, welche im Eisenbahnbetrieb verteilt wurden. Er unterhielt persönliche Verbindungen mit dem Ausland, insbesondere mit den skandinavischen Eisenbahnergewerkschaften und sozialistischen Parteien, worüber er uns regelmäßig berichtete.“ Außerdem erwähnen sie explizit die Verbindung, die – neben anderen inländischen Organisationen – zwischen Apitzsch und Scharfschwerdt (ehemals GDL) bestand.

Daneben sind auch Kontakte zu Leuschner wahrscheinlich. Abgesehen davon, dass derselbe ihn in seinen Plänen zum Wiederaufbau der Gewerkschaften als Vertreter der Eisenbahnen vorsah, gab Apitzsch in einem Brief an die ITF bezüglich des Neuaufbaus der Gewerkschaften an, „auch Leuschner sympathisierte mit diesen Gedanken“, „eine einheitliche, zentrale Gewerkschaft“ zu bilden.

Seine Verfolgungsgeschichte hielt Franz Apitzsch am 7. Juni 1947, kurz vor seinem Tod, wie folgt fest:

„Am 1.5.38 wurde ich wegen verbotener Versammlung kurzfristig verhaftet (Gestapoleitstelle Berlin). Am 2.9.39 wurde ich mit anderen verhaftet und in das K.Z. Sachsenhausen eingeliefert. Untergebracht war ich in den Blöcken 2+5. Im Ganzen hatte ich 3 verschiedene Nummern, die ich nicht mehr weiß. Entlassen wurde ich aus dem K.Z. Sachsenhausen am 18.6.41. In dieser Zeit war gegen mich ein Verfahren wegen Verdacht auf Hochverrat eingeleitet. Im August 1944 wurde ich in das K.Z. Dachau eingeliefert (Block 15) aber bereits im September wieder entlassen.“

Landesarchiv Berlin, C Rep. 118-01, Nr. 18229, OdF-Akte Friedrich Haberland


Quellen:

  • Eberhard Podzuweit, Widerstand von Eisenbahngewerkschaftern in Mittel- und Ostdeutschland
  • Bildquelle Passbild: Staatsarchiv Freiburg F 196/1 Nr. 1512, Wiedergutmachungsakte
  • Bildquelle NS-Akten: Bundesarchiv Berlin, R 3017/803, Oberreichsanwalt beim Volksgerichtshof, Handakten in der Strafsache gegen den Schmied Franz Apitzsch u. a.