Stolperstein für Claudius Gosau

Gosau, Claudius


Biografische Daten:

Stolperstein für Claudius Gosau
Stolperstein für Claudius Gosau
Name:Gosau, Claudius
Geboren:9. Mai 1892 in Blankenmoor (Holstein)
Berufe:Bauarbeiter, Lokomotivführer
Wohnort:zuletzt: Hamburg-Hammerbrook, Woltmannstraße 14
Bahnbeginn:ca. 1938
Gewerkschaft:nicht bekannt
Funktion:keine bekannt
Partei:seit 1920er KPD, 1930 ausgeschlossen
Funktion:führte in den zwanziger Jahren einen Musikzug der KPD
Widerstand:Empfang ausländischer Radiosender und „Zersetzungs-Arbeit“ für die illegale KPD – hatte als Lokführer in einem Rüstungsbetrieb in seiner Belegschaft Kritik am Kriegsverlauf und an Hitler geäußert
Verfolgung:erste Inhaftierung für neun Monate im April 1933
zweite Festnahme am 17. September 1943 infolge einer Denunziation; Todesurteil durch den „Volksgerichtshof“ am 11. Februar 1944
Gestorben:Das Urteil wurde am 6. März 1944 vollstreckt und Claudius Gosau im Zuchthaus Brandenburg-Görden mit der Guillotine ermordet.
weitere Infos:Eltern Wilhelm und Elsabea Gosau; von 1914 bis 1917 Soldat im Ersten Weltkrieg, als Feldartillerist vier Mal schwer verwundet; verheiratet mit Marianne Hansen, zwei Kinder: Tochter Irmgard und Sohn Wilhelm, bei Beginn des Zweiten Weltkriegs festgenommen und am 6. Juli 1943 im KZ Auschwitz ermordet;

Gedenken:

Am 8. September 1946 wurde die Urne von Claudius Gosau im Ehrenhain des Friedhofs Ohlsdorf in Hamburg beigesetzt (dritte Reihe von links, dreizehnter Stein).

Vor seinem letzten Wohnort in der Woltmannstraße 14 in Hamburg-Hammerbrook wurde ein Stolperstein für Claudius Gosau verlegt.

Darüber hinaus wurde Claudius Gosaus Name auf der Gedenktafel verewigt, die die GdED am 9. Mai 1983 in ihrer Zentrale in Frankfurt (Main) in Erinnerung an die während der NS-Zeit ermordeten Eisenbahngewerkschafter anbrachte.

Biographie:

Claudius Gosau verbrachte die größte Zeit seines Lebens in seiner Heimat Dithmarschen, wo er überwiegend als Bauarbeiter tätig war. Nach seiner Teilnahme am Ersten Weltkrieg, in dem er viermal schwer verwundet wurde, lebte er mit seiner Frau Marianne und den beiden Kindern Wilhelm und Irmgard in Heide. Erst 1938 zog er mit der Familie in die Hamburger Woltmannstraße 14, vermutlich weil für ihn die Schikanen, denen er in der Kleinstadt Heide wegen seiner politischen Überzeugungen ausgesetzt gewesen war, unerträglich geworden waren. Er fand Arbeit als Lokführer auf dem Gelände eines in die Rüstungsproduktion eingebundenen Privatunternehmens in Bremen-Farge. Dort war er in einer Gemeinschaftsunterkunft untergebracht und bis zu seiner Verhaftung im September 1943 beschäftigt.

Bereits in den 1920er Jahren engagierte er sich politisch in der KPD, deren Musikzug er in Heide leitete, aus der er aber 1930 ausgeschlossen wurde. Ungeachtet des Parteiausschlusses wurde er in Heide aus politischen Gründen im April 1933 für einige Tage im Polizeigefängnis inhaftiert. Es ist nicht bekannt, dass er sich später im organisierten politischen Widerstand betätigte. Er führte jedoch mit seinen Arbeitskollegen, zu denen auch ausländische Zwangsarbeiter gehörten, Diskussionen über den Kriegsverlauf, wobei er gesagt haben soll, dass Deutschland den Krieg nicht gewinnen könne, die Nachrichten des NS-Regimes über Stalingrad falsch seien und der „Halunke“ Hitler Schuld am Krieg habe.

Nach der Festnahme auf Grund einer Denunziation am 17. September 1943 wurde Gosau über ein Bremer Gefängnis in die Haftanstalt Berlin-Moabit gebracht und vom Oberreichsanwalt am Volksgerichtshof Lautz am 8. Dezember 1943 unter dem Vorwurf angeklagt, „durch kommunistische und defaitistische Äußerungen gegenüber seinen Arbeitskameraden wehrkraftzersetzend gewirkt und dadurch zugleich die Feinde des Reichs begünstigt und kommunistischen Hochverrat vorbereitet zu haben.“ Am 11. Februar 1944 verurteilten ihn die Richter des „Volksgerichtshofes“ zum Tode. Das Urteil wurde am 6. März 1944 umgesetzte und Claudius Gosau in der Tötungsanstalt des Zuchthauses Brandenburg-Görden enthauptet.

Nach der Befreiung vom NS-Regine wurde seine Urne 1946 auf dem Friedhof Ohlsdorf im Ehrenhain für die Hamburger Widerstandskämpfer beigesetzt.

Claudius Gosau blieb nicht das einzige Opfer nationalsozialistischer Verfolgung in seiner Familie – sein Sohn Wilhelm (geb. 13. Juli 1916), der als Landarbeiter in Holstein geblieben war, wurde „aus erzieherischen Gründen“ nach Auschwitz deportiert und kam dort am 6. Juli 1943 ums Leben. Nach der Befreiung vom NS-Regine wurde seine Urne 1946 auf dem Friedhof Ohlsdorf im Ehrenhain für die Hamburger Widerstandskämpfer beigesetzt.

Indes blieb Claudius Gosau nicht das einzige Opfer nationalsozialistischer Verfolgung seiner Familie – sein Sohn Wilhelm (geb. 13. Juli 1916), der als Landarbeiter in Holstein geblieben war, wurde „aus erzieherischen Gründen“ nach Auschwitz deportiert und kam dort am 6. Juli 1943 ums Leben.


Quellen:

  • Alfred Gottwaldt, Eisenbahner gegen Hitler. Widerstand und Verfolgung bei der Reichsbahn 1933 – 1945
  • Bildquelle zur Urteilsvollstreckung: Arolsen Archives, Signatur 10010571, DocID 12119209
  • Bildquelle Ehrenhain: wikipedia.de, Autor: NordNordWest, CC BY-SA 3.0 de
  • Bildquelle Stolperstein: wikipedia.de, Autor: Hinnerk11 – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0